Hemmung der Signalkaskade | Naturmedizin 2/2019

Wirkstoff aus Regenwaldliane wirkt gegen Pankreaskarzinomzellen

Pankreaskarzinomzellen sind für ihre Fähigkeit bekannt, unter extremen Bedingungen mit wenigen Nährstoffen und Sauerstoff zu gedeihen, ein Merkmal, das in der Onkologie als „Austerität“ bekannt ist. Nun haben Forscher einen Wirkstoff aus einer kongolesischen Pflanze identifiziert, der ein starkes „Anti-Austerity“-Potenzial besitzt.
Pankreaskarzinome werden häufig zu spät diagnostiziert, die Zellen vermehren sich aggressiv und die Fünf-Jahres-Überlebensrate beträgt weniger als fünf Prozent.
Wissenschaftlern vom Institut für Organische Chemie der Universität Würzburg haben in Zusammenarbeit mit der Universität Toyama (Japan) eine neue, hochwirksame Substanz isoliert. Sie könnte sich für die Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen Pankreaskarzinome eignen.
Die Krebszellen von Pankreaskarzinomen vermehren sich aggressiv und verbrauchen Nährstoffe und Sauerstoff in der Tumorregion. Indem sie eine Signalkaskade namens Akt/mTOR aktivieren, können sie sich unter den extremen Bedingungen vermehren. Diesen Signalweg zu unterbrechen, ist deshalb Gegenstand verschiedener Forschungen. Gesucht wird nach Substanzen, die unter diesen Bedingungen toxisch auf die Tumorzellen wirken, sogenannte Antiausteritätsverbindungen (von griechisch austerotes = Entbehrung).
Im kongolesischen Regenwald wurden die Wissenschaftler fündig. Schon vor einiger Zeit entdeckten sie in dort beheimateten Pflanzen mehrere Alkaloide mit Antiausteritätspotenzial. Nun konzentrierten sie sich auf eine Liane namens Ancistrocladus likoko. Aus deren Zweigen konnte das Alkaloid Ancistrolikokin E3 isoliert werden, die Struktur wurde ebenfalls aufgeklärt. Die Substanz wurde im Labor geprüft und sie zeigte vielversprechende Wirkungen gegen PANC-1-Pankreaskarzinomzellen. Unter Nährstoffmangel tötete Ancistrolikokin E3 die Tumorzellen ab, indem es die Signalkaskade Akt/mTOR und den Autophagie-Signalweg hemmte. Es inhibierte die Wanderung und weitere Besiedelung der Tumorzellen, was ein Hinweis darauf sein könnte, dass die Substanz die Metastasenbildung verhindern könnte. Insgesamt bezeichnen die Autoren die Wirkung als dramatisch. Die Entwicklung neuer Krebsmedikamente könnte aus Ancistrolikokin E3, aber auch aus weiteren strukturverwandten Alkaloiden erfolgen.
Quelle: Awale S et al.: Ancistrolikokine E3, a 5,8'-Coupled Naphthylisoquinoline Alkaloid, Eliminates the Tolerance of Cancer Cells to Nutrition Starvation by Inhibition of the Akt/mTOR/Autophagy Signaling Pathway. J Nat Prod 2018. 81(10): 2283–91

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