Soziale Unterschiede und Mortalität in Deutschland | Naturmedizin 2/2019

Wer arm ist, stirbt früher

Fast doppelt so viele Frauen und Männer sterben vor Vollendung des 65. Lebensjahres, wenn sie der niedrigsten Einkommensgruppe angehören, im Vergleich mit denen, die am meisten verdienen. Dieser Unterschied besteht seit 25 Jahren relativ stabil. Und: Die Lebenserwartung ist zwar insgesamt gestiegen, aber der Anstieg hat sich verlangsamt.

Deutschland gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Trotz sehr gut ausgebauter sozialer Sicherungs- und Versorgungssysteme gibt es aber eine erhebliche Ungleichheit der Lebensbedingungen. Vermögen und Einkommen sind sehr ungleich verteilt, geringqualifizierte Menschen haben auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen. Und auch auf Gesundheit, Krankheit und Lebenserwartung wirkt sich der soziale Status aus.
In der im März erschienenen Ausgabe des Journal of Health Monitoring des Robert Koch-Institutes wird berichtet, dass die mittlere Lebenserwartung schon bei Geburt durch den sozialen Status beeinflusst wird. So beträgt die Differenz zwischen der höchsten und niedrigsten Einkommensgruppe bei Frauen 4,4 Jahre, bei Männern sogar ganze 8,6 Jahre.
Die Daten für die Analyse von Mortalität und Lebenserwartung stammen vom Sozio-ökonomischen Panel des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und aus Sterbetafeln des Statistischen Bundesamtes. Die Lebenserwartung in Deutschland ist demnach in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Während bis Mitte des 
20. Jahrhunderts vor allem ein Rückgang der Sterblichkeit von Säuglingen, Kindern und jungen Erwachsenen dafür verantwortlich war, ist die sinkende Sterblichkeitsrate heute vor allem durch den Anstieg der Lebenserwartung der Älteren begründet.
Jedoch gibt es immer wieder kleine Unterbrechungen im Anstieg der Lebenserwartung. In Jahren mit schweren Grippewellen verlangsamte sich der Anstieg der Lebenserwartung.
In den Saisons 2012/2013, 2014/2015 und 2016/2017 starben geschätzt jeweils mehr als 20.000 Menschen, was ca. 2 % der jährlichen Todesfälle entspricht. Zwischen Influenza-Aktivität und Lebenserwartung besteht also ein statistischer Zusammenhang.
Quelle:

Journal of Health Monitoring. Soziale Unterschiede in Deutschland: Mortalität und Lebenserwartung. März 2019, Ausgabe 1. Robert Koch-Institut unter http://www.rki.de/journalhealthmonitoring

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?