Gefährliche Supplemente | Praxis-Depesche 12/2017

Thromben durch Testosteron-Booster

Männer mit altersbedingtem Testosteronmangel und Hypogonadismus profitieren nachweislich von einer Testosteronersatztherapie (TRT). Aufgrund der Muskelmasse- und Libido-steigernden Wirkung greifen aber auch immer mehr gesunde Männer zu rezeptfreien Testosteron-fördernden Präparaten. Dies kann aber schwere Folgen haben.

Ein häufiger Bestandteil pflanzlicher Testosteron- steigernder Ergänzungspräparate ist Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum). Der genaue Wirkmechanismus der Pflanze auf den Testosteronspiegel ist unklar, involviert aber vermutlich die Hemmung von Aromatase und 5-a-Reduktase, so dass weniger Testosteron zu Östrogen und Dihydrotestosteron abgebaut wird. Von einer ärztlich verordneten TRT weiss man, dass sie mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse einhergeht. Vermutet wird, dass die Testosterongabe das Risiko für Polyzythämie erhöht.
Über die Risiken und Nebenwirkungen der rezeptfreien Präparate weiss man dagegen kaum etwas. Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat daher bereits 2014 eine Warnung für solche Testosteron-Booster ausgesprochen.
Dass sie nicht ungefährlich sind, zeigen auch mehrere Fallberichte wie z. B. der eines eigentlich gesunden 51-Jährigen. Als er in der Notaufnahme vorstellig wurde, litt der Mann bereits seit zwei Tagen an linksseitigen Brustschmerzen mit Ausstrahlung in den Nacken. Drei Monate lang hatte er täglich einen pflanzlichen Testosteron-Booster zur Muskelsteigerung eingenommen. Eine CT-Angiographie offenbarte eine bilaterale Lungenembolie. Überraschenderweise war der Testosteronspiegel des Patienten niedrig. Laut den Autoren kommt es nach dem Absetzen pflanzlicher Testosteron- Booster häufig vor, dass die Testosteronspiegel auf ein Niveau fallen, das unter dem Anfangswert liegt. OH
Quelle:

Nguyen SM et al.: Pulmonary embolism secondary to testosterone-enhancing ... Cureus 2017; 9(8): e1545

ICD-Codes: E29.1

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