Pränataler Einfluss | Naturmedizin 2/2020

Psychiatrische Störung von Kindern durch Gestationsdiabetes und Adipositas?

Zertifizierte Fortbildung
Schwangerschaftsdiabetes und Übergewicht sind nicht nur für die Mutter eine Gefahr, sondern haben auch einen Einfluss auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes. Es kann nicht nur zu schwerwiegenden Schwangerschaftskomplikationen kommen. Eine pränatale Exposition des Fetus mit einem mütterlichen (Prä-)Gestationsdiabetes wird auch mit neurologischen und psychiatrischen Entwicklungsstörungen in Verbindung gebracht.
Das mütterliche Übergewicht führt durch gestörte metabolische und endokrine Funktionen zu einem erhöhten Risiko der Insulinresistenz. Diabetes kann die Funktionen der Placenta stören und den Fetus somit mütterlichen Hyperglykämien, Lipotoxizität, oxidativem Stress, Entzündungen und Insulinresistenz aussetzen. Dies kann lang anhaltende Folgen auf die Organentwicklung und -funktion haben. Sowohl autistische Erkrankungen als auch Aufmerksamkeitsdefifizitstörungen und Hyperaktivität bei Kindern konnten bereits mit mütterlichem Diabetes in Verbindung gebracht werden. Erstmals konnte nun in einer Studie der Zusammenhang zwischen dem Auftreten von psychiatrischen Erkrankungen bei Kindern und Übergewicht sowie Diabetes während der Schwangerschaft der Mütter hergestellt werden.
In der in Finnland in den Jahren 2004 bis 2014 durchgeführten Kohortenstudie mit 647.099 Geburten konnte gezeigt werden, dass ab einem BMI von ≥ 30 der Mutter (Adipositas Grad 1) die Kinder ein höheres Risiko für die Entwicklung von affektiven Störungen, Intelligenzstörungen, spezifischen Entwicklungsstörungen und ADHS in den ersten zehn Lebensjahren hatten.
Die Studie konnte zeigen, dass bei stark adipösen Müttern mit einem BMI von ≥ 35 eine zusätzliche Diabeteserkrankung die Wahrscheinlichkeit für eine psychiatrische Erkrankung des Kindes deutlich erhöhte. Ein insulinpflichtiger Diabetes erhöhte das Risiko um 128 %, Typ-2-Diabetes um 54 % und Schwangerschaftsdiabetes um 18 % im Vergleich zu Müttern, die lediglich schwer adipös waren. Vor allem das Risiko für affektive sowie Intelligenzstörungen wurde durch einen insulinpflichtigen Diabetes bei stark adipösen Müttern erhöht. Im Vergleich zu normalgewichtigen Müttern ohne Diabetes ließ sich das höchste Risiko für eine psychiatrische Erkrankung des Kindes bei Müttern mit einem BMI von ≥ 35 und einem Typ- 2-Diabetes (Hazard Ratio = 1,97; 95 % CI, 1.64-2.37) nachweisen. Schwangerschaftsdiabetes war insgesamt mit dem geringsten Risiko (Hazard Ratio = 1,61; 95 % CI, 1.50-1.72) unter den Diabetestypen im Vergleich zu Müttern ohne Diabetes vergesellschaftet. Diabetes in normalgewichtigen Müttern war hingegen nicht mit psychopathologischen Erkrankungen der Kinder assoziiert.


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Quelle: Kong, L et al.: Associations of different types of maternal diabetes and body mass index with offspring psychiatric disorders.
ICD-Codes: O24.4

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