JAMA Report | Naturmedizin 5/2019

Medizinischer Cannabisgebrauch in den USA – der aktuelle Stand

Seit August 2019 haben 33 amerikanische Staaten und der District of Columbia Richtlinien erlassen, die den Einsatz von Cannabis oder Cannabinoiden zur Behandlung von mehr als 50 verschiedenen Krankheiten ermöglichen.
Dennoch stuft die amerikanische Bundesregierung Cannabis nach wie vor als illegal ein. Das erschwert den medizinischen Gebrauch und die Erforschung der therapeutischen Wirksamkeit der Cannabis-Pharmakotherapie. In einem Artikel in der Fachzeitschrift JAMA setzt sich Autor Kevin P. Hill mit dem aktuellen Stand auseinander und konstatiert, dass diese Voraussetzungen die weitere Erforschung, die dringend notwendig wäre, behindern würden. Es herrsche ein Mangel an eindeutigen Beweisen für die Wirksamkeit von Cannabis bei den meisten Erkrankungen, für deren Behandlung Befürworter es empfehlen, so der Autor.
 
Dronabilon, Nabilon und Cannabidiol
Cannabis enthält eine Vielzahl an Stoffen, und nur einer davon, Tetrahydrocannabinol (THC), hat die berüchtigte psychoaktive Wirkung. So erfüllen andere enthaltene Cannabinoide pharmakologische Profile, die eine individuelle Medikamentenentwicklung möglich machen und verschiedene Indikationen abdecken, ohne kognitive Effekte zu haben. In Amerika sind aber nur wenige Cannabinoide von der US Food and Drug Administration (FDA) zur medizinischen Verwendung zugelassen, und zwar die, für deren Wirksamkeit qualitativ hochwertige Nachweise vorliegen.
Zu diesen gut erforschten Cannabinoiden zählen Dronabilon und Nabilon, die schon 1985 von der FDA für chemotherapeutisch bedingtes Erbrechen und Übelkeit zugelassen wurden. Dronabinol erhielt 1992 die zusätzliche Indikation der Appetitstimulation. Vor Kurzem wurde ein drittes Cannabinoid aufgenommen, Cannabidiol (CBD), und zwar für zwei Formen der pädiatrischen Epilepsie, des Dravet-Syndroms und des Lennox-Gastaut-Syndroms, basierend auf der Stärke und Anzahl der randomisierten klinischen Studien, die in diesem Bereich bereits durchgeführt wurden.
 
Schmerzlinderung und multiple Sklerose
Die Linderung starker und chronischer Schmerzen ist eine wichtige Indikation der medizinischen Pharmakotherapie. Die National Academies of Science, Engineering, and Medicine prüften die vorhandene Literatur und kamen zu dem Schluss, dass die Nachweise für die Wirksamkeit der Cannabistherapie bei chronischen Schmerzen schlüssig und substanziell seien.
Eine neuere Meta-Analyse mit 91 eingeschlossenen Studien hatte zum Ergebnis, dass Cannabinoide Schmerzen um 30 % stärker reduzieren als ein Placebo. Die meisten durchgeführten Studien zu Schmerzen und Cannabistherapie beziehen sich auf neuropathische Schmerzen, zu anderen Schmerzarten seien momentan nur wenige qualitativ hochwertige Studien vorhanden. Der JAMA-Autor ist mit seiner Bewertung sehr zurückhaltend und meint, dass nur wenige Patienten von einer Cannabis- Schmerztherapie profitieren würden. Weitere Nachweise seien zu erbringen.
 
Weitere Indikationen
In zwei multizentrischen Studien konnte CBD (20 mg/kg) über 14 Wochen die mittlere Häufigkeit epileptischer Anfälle bei Kindern und Jugendlichen mit Dravet-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom reduzieren. Für Parkinson, die posttraumatische Belastungsstörung und das Tourette-Syndrom sei die Beweislage zur Cannabiswirksamkeit momentan noch zu schwach, so das Urteil des Autors.
Quelle: Hill KP: Medical use of cannabis in 2019. JAMA 2019; doi: 10.1001/jama.2019.11868

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?