Kardiovaskuläre Ereignisse erwachsener Männer | Naturmedizin 4/2019

Liegestütze zur Risikoprognose

Zertifizierte Fortbildung
Kardiovaskuläre Erkrankungen sind die weltweit häufigste Todesursache. Dass körperliche Fitness das Risiko senkt, gilt als nachgewiesen. Doch kann der körperliche Funktionsstatus im Hinblick auf die kardiovaskuläre Gesundheit schnell und kostengünstig in der Praxis überprüft werden? Wissenschaftler der Harvard Medical School und der Cambridge Health Alliance veröffentlichten nun eine Studie, die diese Frage beantwortet.
Wie ist der körperliche Aktivitätsstatus eines Patienten? Dieser Aspekt wird in der ärztlichen Anamnese meist nur mittels Fragebögen erhoben, nicht aber mit konkreten Messungen. Doch wie objektiv sind die Angaben der Patienten, und kann man sich darauf verlassen?
Angesichts der starken Zusammenhänge zwischen körperlicher Fitness und kardiovaskulärer Gesundheit ist ein körperlicher Funktionstest in der Praxis ein bislang unterschätztes Werkzeug zur Risikoeinschätzung. Aus Zeit- und Kostengründen wird häufig auf solche Untersuchungen verzichtet. Jedoch: Der körperliche Funktionsstatus kann effektiv, objektiv und schnell in der Praxis getestet werden – und zwar mittels der Menge der Liegestützen, die ein Patient absolvieren kann. Dies sind die Schlussfolgerungen eines achtköpfigen Wissenschaftlerteams, das eine retrospektive Longitudinalstudie über zehn Jahre durchführten. 1.104 Feuerwehrmänner aus Indiana zwischen 21 und 66 Jahren (mittleres Alter 39,6 Jahre) mit einem mittleren BMI (Body-Mass-Index) von 28,7 wurden in die Studie eingeschlossen, die Nachbeobachtungszeit betrug zehn Jahre.
 
40 besser als 10
Insgesamt 37 kardiovaskuläre Ereignisse traten in den zehn Jahren Beobachtungszeit bei den 1.104 Männern auf. Teilnehmer, die in der Lage waren, mehr als 40 Liegestütze zu absolvieren, waren aber signifikant seltener von kardiovaskulären Erkrankungen betroffen als die Männer, die nur zehn oder weniger schafften. Der Unterschied war groß. Das Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung war bei den Männern, die 40 oder mehr Liegestütze schafften, um ganze 96 % geringer als bei denen, die maximal zehn absolvieren konnten. Diese Assoziation blieb sogar nach Bereinigung der Faktoren Lebensalter und Körpergewicht bestehen.
Eine positive Auswirkung zeigte auch schon eine Fitness, die es erlaubt, elf oder mehr Liegestütze zu absolvieren, jedoch sind diese Assoziationen nicht statistisch signifikant. Sie zeigen aber, dass jede – auch eine kleine – Verbesserung der körperlichen Fitness und speziell der Muskelkraft bei Männern einen positiven Effekt auf die zukünftige Herzgesundheit haben kann.
 
Muskelkraft entscheidend
Die positive Auswirkung auf kardiometabolische Risikomarker scheint primär von der Muskelkraft auszugehen. Vorangegangene Studien deuten darauf hin, dass Muskelkrafttraining eine Schutzwirkung bezüglich Hypertonie und Mortalität bei gesunden Männern entfaltet und sich positiv auf Inzidenz und Prävalenz des metabolischen Syndroms auswirkt.
 
Sinnvoll in der Praxis
Bislang war keine Methode bekannt, die in der ärztlichen Sprechstunde eine schnelle und kostengünstige Messung zur Beurteilung der Assoziation zwischen körperlicher Fitness und kardiovaskulärem Krankheitsrisiko ermöglicht.
Der Liegestütztest könnte diese Funktion erfüllen und eine nützliche, objektive und kostenlose Ergänzung zur Risikoeinschätzung kardiovaskulärer Ereignisse innerhalb der kommenden zehn Jahre bei Männern im berufstätigen Alter sein.
In vorliegender Studie wurde der Liegestütztest auch mit dem submaximalen Belastungstest (Belastungs-EKT) verglichen. Auch hierbei schnitt der Liegestützen-Test besser ab und zeigte die genauere Voraussagekraft. Die Ergebnisse sind explizit, müssen aber noch in größeren Studien mit vielfältigeren Kohorten verifiziert werden.


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Quelle: Yang J et al.: Association between push-up ... JAMA Network Open 2019; 2(2): e188341. doi: 10.1001/ jamanetworkopen.2018.8341

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