Dermatologie | NATUR+PHARMAZIE 2/2020

Hautpflege bei Neurodermitis

Neurodermitis ist eine der häufigsten chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen. Durchschnittlich 13 % der Kinder und 1-3% der Erwachsenen sind davon betroffen. Erheblichen Einfluss auf die Manifestation scheinen Umweltfaktoren und genetische Prädisposition zu haben.
Zudem haben Neurodermitis- Patienten eine Veranlagung zur Atopie (Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems) und ein dadurch gesteigertes Risiko für Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergien oder Asthma. Das Atopierisiko ist dabei abhängig von der Häufigkeit des Auftretens von atopischen Erkrankungen innerhalb der Familie.
 
Funktion der Hautbarriere
Die Hautbarriere wird primär durch die Hornschicht gebildet. Bei den Betroffenen ist dieser eigentlich sonst stabile Verbund aus Hornzellen und Lipiden gestört. Damit wird die Haut durchlässig, es kommt zum Feuchtigkeitsverlust und die Haut wird trocken, empfindlich und ist weniger vor äußeren Einflüssen geschützt. Des Weiteren ist die Talgdrüsenfunktion eingeschränkt und die Schweißsekretion vermindert. Auch zeigten Untersuchungen, dass bei Neurodermitis- Patienten die Hautflora verändert ist und dadurch die Besiedelung mit Staphylococcus aureus erleichtert wird.
 
Auslöser akuter Schübe
Häufige Auslöser können sein:
- Allergene
- Klimafaktoren: hohe Temperaturen, extreme Kälte
- Schwitzen
- Zigaretten
- Umweltgifte wie Ozon, Abgase
- übermäßige Hautreinigung
- falsche Hautpflege
- Textil- und Wollunverträglichkeit
- Stress
- bestimmte Nahrungsmitte
l - Alkohol
- Erkältung
- Hausstaubmilben
- Tierhaare
- Federn
 
Typisches Krankheitsbild
Gekennzeichnet ist die Erkrankung durch chronische und immer wiederkehrende Ekzeme, die meist mit starkem Juckreiz einhergehen. Dabei darf die psychische Komponente nicht vernachlässigt werden, denn die Lebensqualität kann erheblich beeinträchtigt sein. Als für Neurodermitis typisch gilt ein trockenes, raues und schuppiges Hautbild mit flächenhafter vergröberter Struktur (Lichenifikation) insbesondere im Bereich der Handgelenke, Ellenbeugen und Kniekehlen. Ein akuter Schub äußert sich durch stark juckende, auch nässende Ekzeme, die sich entzünden und zu Verkrustungen führen können. Der Verlauf variiert von Patient zu Patient, ebenso wie die Häufigkeit und die Schwere der Schübe.
 
Ziel der Behandlung
Da es keine Heilung der Krankheit gibt, gilt als oberstes Ziel, die Haut vor dem Austrocknen zu bewahren und die Symptome mit einer adäquaten Behandlung zu lindern.
 
Grundlagen der Behandlung:
1. Auslöser meiden
2. konsequente Hautpflege
 
Stufen der Therapie:
1. Basistherapie: Auslöser meiden, konsequente und adäquate Hautpflege
2. Leichter Verlauf: topische Glucocortikoide, Calcineurininhibitoren, Antiseptika
3. Moderater Verlauf: Tacrolimus, Glucocortikoide, UV-Therapie, Klimatherapie
4.Schwerer Verlauf: Stationäre Behandlung, Immunsupressiva (Methotrexat, Azathiprin, Dupilumab, Ciclosporin A ...)
 
Basispflege
In den Ruhephasen benötig die Haut eine adäquate Basispflege, um die gestörte Hautbarriere zu stabilisieren. Dadurch können Krankheitsschübe hinausgezögert oder abgemildert werden.
 
Grundsätzliche Regeln zur Hautreinigung:
- möglichst selten baden, anschließend gut eincremen
- nur kurz und nicht zu heiß duschen
- nach dem Duschen die Haut abtupfen und nicht rubbeln
- seifenfreie, ph-neutrale Produkte verwenden
- stark rückfettende Reinigungsmittel verwenden
- Produkte sollten frei von möglichen Allergenen (Duft-, Farb-, oder Konservierungsstoffe) sein.
 
Grundsätzliche Regeln zur Hautpflege:
- möglichst nur W/W-Emulsionen mit einem hohen Fettanteil verwenden (im Sommer eignen sich oft auch weniger fettreiche Cremes und Lotionen)
- Produkte sollten einen möglichst hohen Gehalt an Linol- und Gamma-Linolensäure aufweisen.
- Harnstoffhaltige Präparate sind ebenfalls empfehlenswert, um die Feuchtigkeit in der Haut zu binden (bei Erwachsenen 5–10 %, bei Kindern 2–4 %).
- keine stark abdeckenden Kosmetika verwenden
- Produkte sollten frei von möglichen Allergenen (Duft-, Farb-, oder Konservierungsstoffe) sein.
- Bei der Arbeit in Haus und Garten empfiehlt es sich, Handschuhe zu tragen, um die Haut vor Wasser und Reinigungsmitteln zu schützen.
- Reine Öle sind nur eingeschränkt empfehlenswert, da diese nicht gut von der Haut aufgenommen werden.
- Ob Salbe oder Creme, hängt vom Hautzustand, den betroffenen Körperstellen und der Jahreszeit ab. Bei einem guten Hautzustand kann die Pflege fetthaltiger sein, bei entzündeten Stellen sind allerdings Produkte mit einem hohem Wasseranteil zu bevorzugen, da der Verdunstungseffekt die Symptome lindert.
 
Behandlung des Juckreizes
Gerade der quälende Juckreiz kann die Lebensqualität enorm mindern. Hierfür muss der Teufelskreis aus Juckreiz, Kratzen und Hautverletzung unterbrochen werden.
Feuchte Umschläge mit Gerbstoffen können Linderung verschaffen. Auch eignet sich Polidocanol gegen den Juckreiz. Antihistaminika der ersten Generation werden systemisch nicht nur gegen Juckreiz eingesetzt, sondern auch um die Nachtruhe sicherzustellen, da sie müde machen.
 
Glucocorticoide
Glucocorticoide sind Mittel der Wahl zur Behandlung von Schüben und im Rahmen der Intervalltherapie. Je nach Schwere des Schubs werden zweimal wöchentliche Zubereitungen mit Hydrocortison angewendet, im akuten Schub auch stark wirksame Glucocorticoide, welche dann einmal täglich angewendet werden. Erhöhte Vorsicht ist bei Kindern geboten – hier dürfen maximal 10 % der Körperoberfläche behandelt werden (bei Erwachsenen 20 %). Eine zurückhaltende Anwendung ist bei empfindlichen Regionen wie Genitalien, Ellbeugen, Kniekehlen und Gesicht geboten – hier haben topische Calcineurinhemmer einen Vorteil und können auch in empfindlichen Regionen 1-2x täglich angewendet werden. Reicht eine topische Therapie nicht aus, kommen systemisch Medikamente zum Einsatz.
Beispiele für Produkte aus der Apotheke: Bedan, Dermaplant, Eubos, Excipial, Linola Fett N, Molicare, Neuroderm, Theiss Nachtkerzen Hautbalsam.
Quelle: Daniela Mackert: Apothekerin Medizinjournalistin und Fachredakteurin
ICD-Codes: L20.8

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