Maximale Lebenserwartung | Naturmedizin 4/2019

Gesundheit statt Leben verlängern

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Lebenserwartung – vornehmlich durch eine Reduktion der frühkindlichen Sterblichkeit – in den meisten Ländern beträchtlich gestiegen. Sie liegt heute bei etwa 85 Jahren. Eine weitere Steigerung der Lebenserwartung ist vermutlich kaum möglich.
Bei den ersten Sprüngen in der Lebenserwartung durch die Senkung der Neugeborenensterblichkeit handelte es sich um relativ einfache Siege. Die Verringerung von Kinderkrankheiten kann für eine Bevölkerung aber nur einmal erfolgen. Einen Gewinn an Lebenserwartung im höheren Lebensalter herauszuschlagen, ist allerdings schwierig, denn erder menschliche Körper ist nicht für den langfristigen Gebrauch ausgelegt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sich in weiten Teilen der entwickelten Welt ein neuer Trend in die entgegengesetzte Richtung herausgebildet hat: Die Sterblichkeitsraten für viele wichtige Todesursachen stagnieren oder sind sogar gestiegen.
Aufgrund der Natur des Alterns kommt es etwa ab dem 65. Lebensjahr zu konkurrierenden Risiken. Das heißt, je älter ein Mensch wird, desto höher ist sein Risiko, altersbedingte Erkrankungen zu entwickeln, die schwer therapierbar sind.
Um das Maximum aus der möglichen Lebensspanne eines Menschen herauszuholen, ist es daher notwenig, ihn so lange wie möglich gesund zu halten, bevor ein Problem das nächste nach sich zieht.
Die Schlussfolgerung aus diesen Beobachtungen ist, dass die Verlängerung der Lebenserwartung nicht mehr das Hauptziel der Medizin sein sollte, wenn sie auf Menschen im Alter von über 65 Jahren angewendet wird. Das wichtigste Ziel sollte stattdessen die Maximierung ihrer Gesundheitsspanne sein.
Quelle: Olshansky SJ: From lifespan to healthspan. JAMA 2018; 320(13): 1323-4

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