HNO- Heilkunde | Naturmedizin 3/2020

Gesundheit für Hals, Nase und Ohren

HNO-Erkrankungen können sehr gut naturheilkundlich behandelt werden. Und: Nicht nur bei Halsschmerzen und Schnupfen, auch bei einer Sinusitis oder Otitis media bevorzugen viele Patienten eine natürliche Behandlung.
Die Möglichkeiten sind hier vielfältig und können auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt werden. Teetrinker freuen sich, wenn sie sich ein wohlschmeckendes Getränk zubereiten können, Eilige bevorzugen häufiger ein pflanzliches Fertigarzneimittel, die Gemmopräparate oder ein Schüßler-Salz, doch viele genießen auch den Duft und die Kraft der ätherischen Öle. Diese Präferenzen erleichtern den Fokus im breiten Spektrum der Behandlungmöglichkeiten.
 
Halsschmerzen
Bei Halsschmerzen können sich Patienten mit Kamille, Salbei oder Thymian einen Tee zubereiten, den sie auch zum Gurgeln verwenden können. Die Arzneipflanzen sind im Handel auch als Tinkturen zur Herstellung einer Gurgellösung verfügbar, von denen einige Tropfen nach Herstellerangaben in etwas Leitungswasser gegeben werden können. Bei trockenen Schleimhäuten ist es sinnvoll, Isländisches Moos zum Befeuchten zu verwenden, das ebenso wie Thymian oder Salbei auch als Lutschpastillen verfügbar ist. Aufgrund seiner Bitterstoffe, die bei der Herstellung von Pastillen entfernt werden, ist das Isländische Moos im Tee nicht jedermanns Sache. In diesem Fall kann man auf Süßholz ausweichen, bei dem allerdings mehr Wechselwirkungen mit Medikamenten auftreten können. Außerdem ist es bei Hypertonie-Patienten nicht geeignet, da es den Blutdruck steigert. (1)
 
Effektiv kombinieren
Zu den Arzneipflanzen, die sowohl antiviral als auch antibakteriell wirken, gehören unter anderem Isländisches Moos, Eukalyptusblätter, Kamillenblüten, Salbeiblätter, Rosmarinblätter, Süßholzwurzel und Thymian. Um trockene Schleimhäute zu befeuchten oder einen zähen Schleim aufzuweichen, müssen sie mit Schleimdrogen wie Eibischwurzel oder Königskerzenblüten kombiniert werden. Insbesondere bei einer hartnäckigen Sinusitis werden darüber hinaus sekretolytisch wirkende Arzneipflanzen benötigt, etwa Anisfrüchte, Efeublätter, Eukalyptusblätter, Gundelrebenkraut, Holunderblüten, Kalmuswurzel, Königskerzenblüten, Majoran oder Spitzwegerich, die sich in einer Teemischung gut ergänzen können. (1)
Zu den wirksamen Inhaltsstoffen der Arzneipflanzen gehören antimikrobiell wirksame ätherische Öle und Flavonoide. Im Falle des Spitzwegerichs tragen auch Iridoide zur antibakteriellen Wirkung bei. Antiviral und sekretolytisch wirken zudem Saponine, die zum Beispiel im Efeu oder Süßholz enthalten sind. Antibiotisch wirken darüber hinaus Senfölglykoside, die unter anderem in Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) und Meerrettich (Armoracia rusticana) vorkommen. Hierbei handelt es sich um Inhaltsstoffe, die das Innere stark wärmen. Sie sollten aus Sicht der chinesischen Medizin daher nur verabreicht werden, wenn einer Erkrankung eine Unterkühlung vorausgegangen ist oder die Betroffenen frösteln. (1-3)
Auch die Auswahl der anderen Pflanzen richtet sich nach dem Temperaturbedürfnis des Patienten. Bevorzugen die Betroffenen Wärme, sollten Rosmarin und Thymian in einer Teemischung nicht fehlen; haben sie dagegen den Eindruck, dass Wärme verschlechtert, dann sollten beispielsweise der Eukalyptus oder die Kamille bevorzugt werden. Sind sich die Betroffenen nicht sicher, kann man sie bitten, kurz die Hände auf den Hals oder die Nebenhöhlen zu legen. Dies wird in der Regel als unangenehm empfunden, wenn Wärme die Beschwerden verschlechtert. Auch die Farbe des Schleims kann ein Anhaltspunkt sein. Rosmarin und Thymian sind bei klarem und weißem Schleim zu empfehlen, bei gelb-grünen Sekreten sollte man eher an Eukalyptus und Kamille denken. (3)
Die beiden folgenden Teemischungen berücksichtigen diese Aspekte:
 
Teemischung 1
Indikation: Sinusitis mit innerer Kälte mit klarem oder weißem Schleim
Thymi herba 35,0
Majoranae herba 35,0
Anisi fructus 30,0
Calami rhizoma 25,0
Althaeae radix 25,0
Plantaginis lanceolata herba 25,0
Glyzyrrhizae radix 10,0
 
Teemischung 2
Indikation: Sinusitis mit innerer Hitze mit zähem, gelbem Schleim
Eucalypti folium 35,0
Althaeae radix 35,0
Majoranae herba 30,0
Chamomillae flos 25,0
Glechomae herba 25,0
Plantaginis lanceolata herba 25,0
Cetrariae lichen 25,0
 
Viele Arzneipflanzen sind alternativ zum Tee in Fertigarzneimitteln verfügbar. Führen sie bei einer Sinusitis alleine nicht zum gewünschten Erfolg, können sie effektiv mit dem Ananasenzym Bromelain kombiniert werden, das in diesem Fall nicht nur abschwellend, sondern auch entzündungshemmend wirkt. Grundsätzlich sollten Kontraindikationen und mögliche Wechselwirkungen abgeklärt werden. Zusätzlich werden insbesondere bei Ohrenschmerzen abschwellende Nasentropfen benötigt. Hierfür gibt es inzwischen eine pflanzliche Alternative zu herkömmlichen Präparaten aus Flavonoiden und ätherischen Ölen.
 
Gemmotherapie
Gemmopräparate sind Mazerate, die von ausgewählten Knospen in Alkohol, Glycerin und Wasser. Knospen enthalten zusätzlich zu den bekannten Inhaltsstoffen einer Pflanze mit Proteinen, spezifischen Oligosacchariden, Phytohormonen und Wachstumsfaktoren Substanzen, die die Pflanze zum Austreiben benötigt und die für die Wirksamkeit der Auszüge mit verantwortlich sind. Die im Handel befindlichen Auszüge sind entweder unverdünnt oder 1:10 verdünnt. Sie werden als Tropfen oder Spray angeboten und werden aufgrund ihres süßen Geschmacks auch von Kindern toleriert.
Zwei effektive Knospenpräparate gegen Erkältungen werden aus der Hundsrose (Rosa canina) und der Schwarzen Johannisbeere (Ribes nigrum) gewonnen.
Die Hundsrose enthält unter anderem antiinflammatorisch wirksame Gerbstoffe, aber auch Flavonoide, ätherische Öle, Vitamine und Mineralstoffe – darunter die für die Immunabwehr relevanten Vitamine C und E sowie Selen, sodass sie nicht nur bei Entzündungen der oberen Atemwege und einer Mittelohrentzündung zum Einsatz kommen kann, sondern auch bei Infektanfälligkeit. (5-7)
Die Hundsrose kann bei Bedarf mit der Schwarzen Johannisbeere kombiniert werden, die ebenfalls ätherische Öle, Flavonoide, Tannine, Vitamine und Spurenelemente enthält, darunter Zink. Beide Knospenauszüge wirken antiviral. Die Schwarze Johannisbeere ist vor allem dann eine gute Wahl, wenn die Betroffenen auch an allergischen Beschwerden leiden oder infektionsbedingt die Lymphdrüsen geschwollen sind. (5-7) Die Hainbuche (Carpinus betulus) und die Schwarzerle (Alnus glutinosa) sollten dagegen bei bakteriellen Infektionen bevorzugt werden.
Die Hainbuche lindert vor allem Infektionen der oberen Atemwege und wirkt hier auch blutstillend. Dank ihres Gehalts an Saponinen hat sie sekretolytische Eigenschaften. Dagegen kühlt die Schwarzerle eitrige Entzündungen im Hals und in den Nebenhöhlen, die mit Fieber einhergehen. Bei Mittelohrentzündungen können alle vier Gemmomazerate mit demjenigen des Rosmarins kombiniert verabreicht werden. (5-7)
 
Schüßler-Salze: Auf die Farbe kommt es an
Während das Schüßler-Salz Nummer 3 Ferrum phosphoricum D12 vor allem in der hitzigen, akuten Anfangsphase einer Erkältung zum Einsatz kommt, sind Konsistenz und Farbe des Nasensekrets bei der Auswahl der nachfolgenden Salze ähnlich wie bei der Auswahl von Arzneidrogen von Relevanz. So lindert das Salz Nummer 8 Natrium chloratum D6 vornehmlich den wässrigen Schnupfen, während das Salz Nummer 4 Kalium chloratum D6 im zweiten Entzündungsstadium effektiver ist, wenn die Betroffenen frösteln, aber dickflüssige, weiße Sekrete absondern. Im dritten Entzündungsstadium und in der Abheilphase, wenn der Schleim noch zäher und gelb geworden ist, sollte dann das Salz Nummer 6 Kalium sulfuricum D6 zum Einsatz kommen, das bei Bedarf mit Salz Nummer 9 Natrium phosphoricum D6 kombiniert werden kann. Bei chronischen Beschwerden kann ferner eine gemeinsame Anwendung mit dem Salz Nummer 11 Silicea D12 sinnvoll sein.
Quelle: Sabine Ritter Apothekerin und Heilpraktikerin Literatur bei der Autorin www.ritter-tcm.de

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