Neue präventive und kurative Therapieansätze | Naturmedizin 2/2020

Gehören Muskelschmerzen durch Statine bald der Vergangenheit an?

Zertifizierte Fortbildung
Muskelkrämpfe und Muskelschmerzen sind weitgehend als schwere Nebenwirkungen von Statinen bekannt und wirken sich stark negativ auf die Compliance der Patienten aus. Der positive Effekt von Statinen auf den Cholesterinspiegel ist jedoch hoch, und im besten Fall kann die Einnahme von Statinen die Entwicklung von sekundären kardiovaskulären Erkrankungen verhindern. Bisher gibt es jedoch noch keinen präventiven oder kurativen Therapieansatz für statininduzierte Muskelschäden. Genau dieses Ziel verfolgte eine deutsche Forschergruppe.
Ziel ihrer Studie war es, die vielversprechenden Ergebnisse aus bereits durchgeführten Mausstudien auf ihre Übertragbarkeit auf den Menschen hin zu testen. Auch gibt es noch keinerlei Daten, ob verschiedene Klassen von Statinen einen unterschiedlichen Effekt auf die Muskelzellen haben. Eine Reduktion der Nebenwirkungen würde zu einer weitaus höheren Compliance der Patienten bei der Statineinnahme führen. Aus diesem Grund haben die Forscher humane Muskelzellen (n = 22) mit dem lipophilen Simvastatin und dem hydrophilen Rosuvastatin behandelt und anschließend die jeweilige Genexpression der Zellen sowie die zellulären Signalwege analysiert.
 
Statine verändern die Fettsäuresynthese massiv
Über 1.800 Transkripte und 900 Proteine wurden nach der Statinbehandlung in den humanen Muskelzellen unterschiedlich exprimiert. Statine scheinen damit einen starken Effekt auf die Genexpression zu haben und verändern diese maßgeblich. Simvastatin hatte dabei einen stärkeren Effekt auf die RNA-Synthese als Rosuvastatin. Beide Statine beeinflussten jedoch gleich stark die Cholesterinbiosynthese, den Fettsäurestoffwechsel, die Eicosanidsynthese sowie die Proliferation und Differenzierung von humanen Muskelzellen. Es konnte zudem gezeigt werden, dass Muskelzellen und Leberzellen dieselben Gene für die Cholesterinbiosynthese nutzen. Diese Ergebnisse deuten auf eine neue und bisher nicht bekannte Rolle von Muskelzellen im Cholesterinmetabolismus hin. Bei einer Muskelmasse von mehr als 25 % und einer Lebermasse von nur bis zu 3 % ist es von großer Bedeutung herauszufinden, in welcher Form das von Muskelzellen produzierte Cholesterin im Körper genutzt wird. Das Cholesterin könnte zum einen von den Muskelzellen selbst verwendet oder genau wie von Leberzellen in die Blutbahn sezerniert werden.
 
Reversibler Effekt durch Eicosanide
Es wurde ein starker Effekt der Statine auf die Synthese von Eicosaniden und Prostaglandinen nachgewiesen. Diese sind Metabolite der Omega-3- und Omega- 6-Fettsäuren. Das Eicosanid AL-8810, ein Agonist des Prostaglandin-F2-alpha- Rezeptors, konnte laut den Ergebnissen der Forschungsgruppe den Effekt der Statine auf die Muskelzellen rückgängig machen. Ein Therapieansatz von statininduzierter Myopathie könnte demnach der Zusatz von Omega-n-Fettsäuren zusätzlich zur Statingabe sein. Diese vielversprechenden Erkenntnisse lassen auf neue Therapieansätze für statininduzierte Myopathien hoffen und könnten bald schon in der Klinik eingesetzt werden. Aufgrund der weniger starken Nebeneffekte sollten Patienten nach Möglichkeit aktuell eher mit Rosuvastatin anstatt mit Simvastatin behandelt werden.


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

ICD-Codes: M79.1

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