Gefäßfunktionsstörungen | Naturmedizin 6/2019

Endotheliale Dysfunktion erhöht das Diabetes-mellitus-Risiko

Neue Erkenntnisse aus der Gutenberg-Gesundheitsstudie belegen den Einfluss von Funktionsstörungen der Endothelzellen auf die Entwicklung einer Diabeteserkrankung.
Eine Funktionsstörung der Innenschicht der Blutgefäße, die endotheliale Dysfunktion, erhöht das Risiko, eine Vorstufe des Diabetes mellitus Typ 2 zu entwickeln. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Zentrums für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz um Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel und Omar Hahad anhand von Daten der Gutenberg-Gesundheitsstudie der Universitätsmedizin Mainz (GHS) erstmalig nachgewiesen.
Diese neuen Erkenntnisse aus der weltweit größten bevölkerungsbasierten Langzeitstudie wurden kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Journal of the American Heart Association veröffentlicht.
„Unsere Studienergebnisse zeigen auf, dass eine endotheliale Dysfunktion der kleinen Arterien nicht nur eine Folge des Typ-2-Diabetes darstellt, sondern auch der Entwicklung eines Diabetes vorausgehen kann“, erläutern Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor der Kardiologie I, und Studienleiter Omar Hahad. Die Wissenschaftler konnten empirisch nachweisen, dass eine Funktionsstörung der endothelialen Zellen in den kleinen Arterien das Risiko erhöht, an einem Prädiabetes oder dem Typ-2-Diabetes- mellitus zu erkranken.
Eine weitere Erkenntnis ist, dass sich die Störung der Endothelfunktion langfristig auswirken kann: Münzel und Hahad haben aufgezeigt, dass der HbA1c-Wert nach fünf Jahren eng an die gestörte Funktion der Endothelzellen gekoppelt ist. Die Verbreitung von Diabetes mellitus Typ 2 nimmt seit einigen Jahren zu, die Tendenz ist weiter steigend: Laut Schätzungen der International Diabetes Federation ist zu erwarten, dass bis zum Jahr 2045 weltweit voraussichtlich knapp 700 Millionen Menschen an Diabetes mellitus erkrankt sein werden. In der Folge der Blutglukoseerhöhung entwickeln die Blutgefäße der Diabetiker eine endotheliale Dysfunktion, Ablagerungen in den Blutgefäßen nehmen zu. Die Folge: Kleine Partikel der Ablagerungen können die Gefäße verstopfen und einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes sind diese Krankheitsereignisse die Haupttodesursache.
 
Früherkennungsmethode
Die Ergebnisse von Münzel und Hahad basieren auf Daten von Teilnehmern an der Gutenberg-Gesundheitsstudie. Bei diesen Menschen lagen weder Prädiabetes noch Typ-2-Diabetes-mellitus vor. Die Wissenschaftler setzten die Technik der Volumenplethysmographie ein, ein Messverfahren, mit dem aufgrund von Volumenschwankungen die Endothelfunktion insbesondere der kleinen Gefäße bestimmt werden kann. „Inwieweit diese Ergebnisse entscheidend für die Risikoabschätzung sein können, ob ein Patient voraussichtlich an Diabetes mellitus Typ 2 erkranken wird, soll Gegenstand zukünftiger Studien sein“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel. Weitere Forschungsbemühungen sollen auf diesem Gebiet folgen.
Quelle: Hahad O et al.: Endothelial function assessed by digital volume plethysmography predicts the developement and progression of type 2 diabetes mellitus. J Am Heart Assoc. 2019 8(20): e012509

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?