Mikroskopische Kolitis | Praxis-Depesche 10/2015

Ein unterschätztes Darmleiden

Vor einigen Jahren galt die mikroskopische Kolitis noch als Rarität. Ende 1992 wurden in der Literatur nur 446 Fälle registriert. Das hat sich geändert. Viele Aspekte des Leides harren aber noch der Aufklärung.

Die mikroskopische Kolitis ist durch chronische wässrige Durchfälle gekennzeichnet, die rezidivierend auftreten. Die Darmschleimhaut erscheint makroskopisch praktisch normal; die Histologie ist aber hochspezifisch. Dies unterscheidet die Erkrankung von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, infektiöser Kolitis und Reizdarmsyndrom. Man differenziert zwischen den beiden Formen lymphozytäre Kolitis (mit intraepithelialer Lymphozytose) und kollagene Kolitis (verdickte subepitheliale Kollagenschicht).
Die Angaben über die Inzidenz des Leidens variieren stark. Eine chinesische Arbeitsgruppe versuchte die Daten mithilfe einer Metaanalyse zu präzisieren; außerdem suchte man nach Zusammenhängen zwischen Medikamenteneinnahme und Auftreten der Kolitis. Für die Auswertung blieben von 1972 Originalarbeiten 25 Studien übrig.
Die gepoolte Inzidenzrate der kollagenen Form betrug 4,14 pro 100 000 Personenjahren, die der lymphozytären 4,85. Frauen waren mit einer Ratio von 3,05 bzw. 1,92 in der Überzahl. Das mittlere Alter lag für die beiden Subformen bei 64,9 bzw. 62,2 Jahren. Mit dem Alter nimmt offenbar die Häufigkeit der kollagenen Kolitis zu. Die Inzidenz stieg bis zum Jahr 2000 an; danach blieb sie z. B. in den USA und Schweden stabil.
Eine Erhöhung des Risikos, eine kollagene Kolitis zu entwickeln, registrierten die Autoren für die Einnahme von PPI (OR 2,68) und von SSRI (OR 2,41). Die Assoziationen bergen aber eine Reihe von Unsicherheiten. Was die Entzündung des Dickdarms auslöst, ist noch weitgehend unbekannt. Theorien dazu gibt es reichlich. WE
Quelle:

Tong J et al.: Incidence, prevalence, and temporal trends of microscopic colitis: a systematic review and meta-analysis. Am J Gastroenterol 2015; 110: 265- 276

ICD-Codes: N76.0

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