Jahrestagung der „European League Against Rheumatism" (EULAR) | Praxis-Depesche 8/2015

Darm & systemische Sklerose – NSAR & Fertilität – Trauma & PsA

Über 14 000 Rheumatologen aus aller Welt strömten trotz tropischer Temperaturen in die römischen Vortragssäle. Dort wurde präsentiert, dass die Darmflora eine systemische Sklerose beeinflusst, dass NSAR die Fertilität von Frauen reduzieren können und dass ein Trauma die Psoriasis auf’s Gelenk schlagen lässt.

Veränderte Darmflora bei systemischer Sklerose

Fast alle Patienten mit systemischer Sklerose (SSc) leiden an gastrointestinalen Symptomen wie Reflux, Blähungen, Obstipation, Diarrhoe oder sogar Stuhlinkontinenz, deren Ätiologie bisher nicht verstanden wird. Daher wurde jetzt in einer Studie untersucht, ob SSc-Patienten eine andere Darmflora aufweisen als Gesunde.

Dazu wurden 17 SSc-Patienten und entsprechende gesunde Kontrollen koloskopiert, und die Bakterienstämme der jeweils aus Sigma und Zökum entnommenen Stuhlproben untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass die Darmflora bei SSc gestört ist. Bei den Erkrankten fanden die Untersucher erniedrigte symbiotische Gattungen wie Bacteroides und Faecalibacterium, dafür vermehrt pathogene Stämme wie Enterobacteriaceae und Fusobacterium. Ähnliche Befunde finden sich auch bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). „Wir glauben, dass die weitere Untersuchung dieser spezifischen Mikrobiom-Signatur das Potential hat, die SSc-Diagnose zu verfeinern und uns vielleicht zu neuen Behandlungsmöglichkeiten führt“, so Studienärztin Dr. Elisabeth Volkmann, Los Angeles. (Abstract OP0213)

Bremsen NSAR die Fruchtbarkeit?

In der Vergangenheit wiesen bereits Tierexperimente auf einen ungünstigen Einfluss nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) auf die weibliche Fruchtbarkeit hin. Jetzt wurde dieser Zusammenhang an 39 Frauen untersucht, die unter Rückenschmerzen litten. Die Probandinnen nahmen entweder Naproxen, Diclofenac, Etoricoxib oder Plazebo für zehn Tage ein. Durch Ultraschall- und Blutuntersuchungen wurden Progesteronspiegel und Follikeldurchmesser dokumentiert.
Tatsächlich wurde in der Verumgruppe die Ovulation signifikant inhibiert. Von allen NSAR hatte Diclofenac den stärksten Effekt. Darüber hinaus wurde auch ein deutlicher Rückgang des Wertes für Progesteron gemessen. Funktionelle Zysten, die zum Ende des Zyklus auftraten, bildeten sich zum nächsten Zyklus zurück.

Zunächst ist diese Erkenntnis beunruhigend, zumal die Medikamente frei verkäuflich sind. Studienleiter Prof. Sami Salman, Bagdad (Irak), spekulierte über zukünftige positive therapeutische Nutzungsmöglichkeiten: „Die Ergebnisse könnten die Tür zur Erforschung neuer Möglichkeiten der Notfallkontrazeption mit NSAR öffnen“. (Abstract OP0131)

IL-17A-Blockade: langfristig auch bei ankylosierender Spondylitis

Bislang gibt es außer TNFa-Blocker nur wenig therapeutische Optionen für Patienten mit ankylosierender Spondylitis (AS). In der randomisierten doppelblinden und plazebokontrollierten Phase-3-Studie MEASURE 2 wurde untersucht, wie wirksam und sicher der Interleukin-17A-Inhibitor Secukinumab über ein Jahr ist. Patienten wurden mit Secukinumab oder mit Plazebo 16 Wochen lang behandelt und dann ein Jahr nachbeobachtet. Dr. Joachim Sieper, Berlin, stellte die Einjahresdaten vor. Unter Therapie mit der hohen Dosis (150 mg) Secukinumab sprachen 73,8% auf die Therapie an. Bei einer niedrigeren Dosis von 75 mg waren es noch 63,9%. Das Ansprechen, das nach 16 Wochen unter Therapie mit der hohen Dosis bei 61,1% bzw. bei 41,4% mit der niedrigen Dosis lag, konnte im weiteren Verlauf ausgebaut werden. 62% der Studienteilnehmer wurden zuvor nicht mit Biologika behandelt, 38% waren bereits mit TNFa-Blockern vorbehandelt. Secukinumab führte nicht nur zur Besserung der AS-Symptome, sondern auch die Entzündung, gemessen anhand des hCRP, reduzierte sich. Damit einher ging eine Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.

Trauma triggert Psoriasisarthritis

Nahezu ein Drittel aller Patienten, die unter Psoriasis leiden, entwickeln eine Psoriasisarthritis (PsA), die zu schweren Behinderungen in Folge von Gelenkzerstörung führen kann. Doch welche Faktoren dies auslösen können, ist bisher unklar. In einer gematchten Kohortenstudie wurden jetzt über 15 000 Psoriatiker, die ein physisches Trauma erlitten hatten, mit über 55 000 Kontrollpatienten ohne Trauma in der Ana mnese miteinander verglichen. Insgesamt traten 1010 Fälle von PsA auf. Nach einem Trauma nahm das Risiko zur Entstehung einer PsA um 32% zu. Betraf dieses Trauma Knochen oder Gelenke, erhöhte sich das Risiko sogar um 46 bzw. 50%. Dagegen hatte ein Trauma bei Patienten, die vorher nicht unter Psoriasis litten, keinen Einfluss auf das PsA-Risiko.
„Dies ist die erste große populationsbasierte Kohortenstudie, die das Risiko einer PsA nach Trauma bei Psoriasispatienten ermitteln konnte“, stellte Dr. Thorvardur Love, Island, fest. (Abstract OP0311) SK
ICD-Codes: L40.5

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