Belastungsinkontinenz | Naturmedizin 4/2019

Beckenbodentraining zeigt sich am Myostatin

Zur Therapie der urinären Inkontinenz empfehlen europäische Leitlinien in erster Linie ein Training der Beckenbodenmuskulatur. Die Effektivität dieser Maßnahme ist gut mit Evidenz belegt. Nun lieferten Wissenschaftler auch einen biochemischen Nachweis für die Effektivität.
Das mit dem Alter zunehmende Risiko für urinäre Inkontinenz liegt zumindest zum Teil in einem Nachlassen der Beckenbodenmuskulaltur begründet. Physiologisch geht der Muskelabbau unter anderem mit einem Anstieg von Myostatin im Blut einher. Das Protein hemmt den Muskelaufbau und wird in Phasen körperlicher Inaktivität freigesetzt. Ein Beckenbodentraining kann der Freisetzung von Myostatin entgegenwirken. So lautet das Ergebnis der aktuellen Studie, in der 40 Patientinnen im Alter von ≥ 60 Jahren, die an Belastungsinkontinenz litten, ein vierwöchiges Trainingsprogramm zur Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur (dreimal 45 Minuten pro Woche) absolvierten. Die Kontrollgruppe bildeten 34 altersgleiche inkontinente Patientinnen ohne Trainingsmaßnahme. Vor und nach der Intervention wurde der Myostatinspiegel der Frauen bestimmt; die Schwere der Harninkontinenz wurde per RUIS-Fragebogen (Revised Urinary Incontinence Scale) erhoben.
Während bei den Messwerten in der Kontrollgruppe keine signifikanten Änderungen feststellbar waren, war der Myostatinwert in der Trainingsgruppe nach der Intervention signifikant geringer als zuvor (p = 0,0084), und auch die Schwere der Harninkontinenz war in dieser Gruppe signifikant gesunken (p < 0,0001). Die höchste Signifikanz zeigte sich bei denjenigen Frauen, die an einer leicht ausgeprägten Belastungsinkontinenz gelitten hatten. Die Ergebnisse unterstreichen die Effektivität eines Beckenbodentrainings.
Quelle: Radziminska A et al.: The impact ... Clin Interv Aging 2018; 13: 1893-8

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