Erkenntnisse aus Tierversuch | Naturmedizin 2/2019

Antientzündliche Therapie für das alternde Gehirn?

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums haben neue Erkenntnisse zur Gehirnalterung gewonnen. Alternde Hirnstammzellen fallen in einen Schlaf, der durch Entzündungen gefördert wird.

Die Funktion somatischer Stammzellen nimmt mit dem Alter ab. Um gegenzusteuern, müssen die molekularen Grundlagen verstanden werden. Antientzündliche Therapien könnten vielleicht ein Ansatz sein, im Alter die Bildung neuer Nervenzellen anzuregen und Reparaturmechanismen im Gehirn zu unterstützen, so das Fazit einer Studie, die unlängst in der Fachzeitschrift CELL veröffentlicht wurde.
Im Laufe des Alterns lässt die Nachschubproduktion an jungen Nervenzellen nach. Wissenschaftler um die Stammzellexpertin Ana Martin-Villalba im Deutschen Krebsforschungszentrum haben nun mit Kollegen von den Universitäten Heidelberg und Luxemburg eine Ursache für diesen Funktionsverlust entdeckt: Die meisten Stammzellen verschwinden beim Ausdifferenzieren zu reifen Gehirnzellen, und nur ein kleiner Teil erzeugt wieder neue Stammzellen. Diese Stammzellen fallen im Alter in eine Schlafphase ohne Teilungsaktivität. Ohne diesen Schlafmodus wäre der Vorrat an Stammzellen vorzeitig aufgebraucht, der Schlaf verschafft also Zeit.
Werden diese Stammzellen durch Notsignale aus dem Schlaf aufgeweckt, sind sie bei der Produktion neuer Nervenzellen genauso leistungsfähig wie junge Stammzellen. Entzündungsbotenstoffe und Signale der Wnt-Signalkette halten die Stammzellen im Schlafmodus. Werden diese Signale unterbunden, steigt die Teilungsaktivität der neuralen Stammzellen, sie stellen wieder mehr Nervenzellen bereit und Reparaturprozesse werden angestoßen.
Quelle:

Kalamakis G et al.: Quiescence modulates stem cell maintenance and regenerative capacity in the aging brain. CELL 2019; 176: 1407-19

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