Systemisches Review | Naturmedizin 4/2019

Anthroposophische Medizin zur Behandlung des Pseudokrupp

In Europa gibt es nur wenige integrativ-medizinische pädiatrische Stationen. In Deutschland aber gibt es immerhin zwei Krankenhäuser, die die schulmedizinische Versorgung mit anthroposophischer Medizin im Rahmen der Komplementär- und Alternativmedizin verbinden. Ein häufig so behandeltes Krankheitsbild ist der pädiatrische Pseudokrupp.
Melanie Schwermer, Alfred Längler vom Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke und Institut für integrative Medizin der Universität Witten/Herdecke, Katharina Fetz und Thomas Ostermann (Psychologische Abteilung Universität Witten Herdecke) sowie Tycho Jan Zuzak (Kinderabteilungen Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke und Pädiatrische Onkologie und Hämatologie Universitätskrankenhaus Essen) bildeten ein Team, um die vorhandene Literatur zu sichten. Denn der pädiatrische Pseudokrupp wird zwar häufig anthroposophisch- integrativ behandelt, jedoch basieren die Therapiekonzepte zumeist auf der Erfahrung der Ärzte. Klinische Studien fehlen bisher. In den Datenbanken suchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach vorhandener Literatur und werteten letztendlich 157 Artikel und fünf Erfahrungsberichte aus.
 
CAM-Therapien werden genutzt und geschätzt
Die Zustimmung von Eltern zu CAM-Therapien und insbesondere zur anthroposophischen Medizin ist groß. Zwischen 30 und 50 % von ihnen geben an, dass sie CAM-Therapien bei akuten und chronischen Erkrankungen ihrer Kinder nutzen. Die anthroposophische Medizin (AM) betrachtet den gesamten Menschen und nutzt eigene und über Jahrzehnte entwickelte Diagnose- und Therapiemöglichkeiten. Dazu gehören neben Arzneimitteln homöopathischen oder phytopharmazeutischen Ursprungs spezifische nicht-medikamentöse Therapien wie z. B. Eurythmie, rhythmische Massage, Kunsttherapien und psychologische Ansätze (z. B. Biografiearbeit). Die AM kann eine (adjuvante) Behandlungsoption für ambulante wie stationär aufgenommene Patienten sein. In Deutschland haben zwei Krankenhäuser (Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke und Filderklinik in Filderstadt) eine Kinderklinik für anthroposophische Medizin. Hier werden Kinder mit Pseudokrupp zusätzlich mit anthroposophischer Medizin behandelt.
 
Bryonia, Aconitum, Spongia, Lavendelöl und andere
In einer älteren retrospektiven Studie aus der Mitte der 1980er-Jahre mit Daten von 103 stationär in die Klinik Herdecke aufgenommenen Patienten kamen die Autoren zu dem Schluss, dass die Verwendung von Steroiden trotz AM kaum vermieden werden kann. Die Kinder dieser Studie wurden mit einer Mischung aus Bryonia/Spongia- comp.-Tropfen behandelt. In der akuten Phase wurden stündlich fünf bis acht Tropfen verabreicht und Brustkompressen sowie Luftbefeuchtung mit Lavendelöl eingesetzt. Die Hälfte der Patienten erhielt Pyrit.
In den Erfahrungsberichten werden verschiedene anthroposophische Arzneien empfohlen. C. Rosenbruch empfahl Hepar sulfuris bei bereits manifestem Pseudokrupp und Zubereitungen aus Aconitum für die Behandlung bei den ersten Anzeichen der Erkrankung. D. Arntzen empfahl die AM-Arzneien Arum Triphyllum und Spongia und betonte, dass Schwefel die Verbindung zwischen den spirituell-astralen und physischätherischen Kräften erleichtere und eine besseren Lufteinlass ermögliche.
Weitere Literaturempfehlungen legen auch Augenmerk auf die Beruhigung von Eltern und Kindern und die Zufuhr von frischer Luft als Erstintervention sowie das Trinken von warmem, süßem Tee.
Für die Akuttherapie werden folgende AM-Arzneien häufig erwähnt: Bryonia/ Spongia comp., Spongia comp., Apis, Rumex, Spongia und Sambucos. In der Regel ist die Gabeempfehlung als Globuli bis zu sechsmal täglich.
Ein Autor berichet von erfolgreichen Erfahrungen mit der parallelen Verabreichung von Larynx Gl als Tropfen oral eingenommen oder als Inhalationsmittel in Kombination mit Apis-Ex-Animanle-GL-D-30-Ampullen und Gencydo-1 %-Ampullen. Darüber hinaus wird Hepar sulfuris empfohlen, für Patienten, die vor allem Beschwerden mit starken Schmerzen im Kehlkopfbereich und hohe Kälteempfindlichkeit in der zweiten Nachthälfte ab drei Uhr morgens zeigen. Pyrit wird in der Literatur vor allem für Schulkinder ab neun Jahren empfohlen. Larynx/Apis comp. wird als zuverlässiges Mittel für die Tage nach den schlimmsten Hustenattacken beschrieben.
Bei hohem Fieber wird Belladonna empfohlen. Bei diffusen Symptomen wird wiederum Bryonia/Spongia comp. genannt. Über unerwünschte schwere Nebenwirkungen wird nicht berichtet. Die AM verfügt über ein breites Behandlungsspektrum für pädiatrischen Pseudokrupp, es sollten bald Studien zur Validierung erfolgen.
Quelle: Schwermer M et al.: Anthroposophic medicine in the treatment of pediatric ... Complement Ther Med. 2018; 40: 185-90

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