Kräuterkunde für Kardiologen

Praxis-Depesche 3/2003

Kardiovaskuläre Wirkungen und Nebenwirkungen von Pflanzenpräparaten

Nur für wenige der unübersehbar vielen pflanzlichen Präparate und Nahrungsergänzungsmittel gibt es fundierte Untersuchungen. Dabei sind beispielsweise die kardiovaskulären Wirkungen durchaus relevant.

Eines der in dieser Hinsicht wichtigen Phytopharmaka ist Weißdorn, der in der Dosierung 160 bis 900 mg 2 bis 3 x täglich zur Behandlung von Herzinsuffizienz der NYHA-Klasse II geeignet ist. Die aktiven Komponenten Flavonoide und Procyanthin-Oligomere haben ihre Wirksamkeit im Tierversuch wie auch in klinischen Untersuchungen bewiesen. Neben- und Wechselwirkungen sind selten. Gespannt sein darf man auf die plazebokontrollierte SPICE-Studie (Survival and Prognosis Investigation of Crataegus Extract). Weitere Pflanzen mit positivem kardiovaskulärem Effekt sind Knoblauch (cholesterinsenkend, fraglich antihypertensiv, kein Nutzen bei Claudicatio und Thromboseprophylaxe), Ginkgo (geringe Besserung bei Claudicatio, in vitro antioxidativ, fraglich gedächtnisverbessernd), Ginseng (Besserung der Herzleistung, fraglich antioxidativ) und Rosskastanie (bei venöser Insuffizienz gleich wirksam wie Kompressionsstrumpf). Mit Nebenwirkungen ist zu rechnen bei Tollkirsche/Belladonna (Tachykardie), Knoblauch, Ingwer, Ginkgo (jeweils verstärkte Blutungsneigung möglich, bei Ingwer und Ginseng auch noch Blutdruckerhöhung beschrieben), Kava (Plättchendysfunktion, Leberschäden; in Deutschland vom Markt genommen), Lakritze (Blutdruckerhöhung, Lungenödem), Oleander (ähnlich Digoxin-Vergiftung) und Yohimbin (Hypertonie, Rhythmusstörungen).

Quelle: Valli, G: Benefits, adverse effects and drug interactions of herbal therapies with cardiovascular effects, Zeitschrift: JOURNAL OF THE AMERICAN COLLEGE OF CARDIOLOGY, Ausgabe 39 (2002), Seiten: 1083-1095

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