Nicht Diabetes und Übergewicht allein verantwortlich

Naturmedizin 3/2020

Zuckerkonsum belastet die Nieren durch Hyperurikämie

Wer viel Zucker verzehrt, hat eine kürzere Lebenserwartung. Bisher ging man davon aus, dass dadurch ausgelöste Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus Typ 2 die frühere Sterblichkeit auslösen. Doch diese Annahme könnte falsch sein, wie eine neue Studie zeigt, die ein Forschungsteam vom Imperial College London gemeinsam mit Forschenden der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Universitätsklinikums Schleswig- Holstein (UKSH), Campus Kiel, in der Fachzeitschrift Cell Metabolism veröffentlicht hat.
Zuerst wurde an Fruchtfliegen getestet, und dann der Effekt auch beim Menschen nachgewiesen: Zuckerkonsum führt, genauso wie Salzkonsum, zu einer Dehydrierung. Und er stört den Purinabbau. Die mit viel Zucker gefütterten Fruchtfliegen entwickelten Stoffwechselstörungen, wurden übergewichtig, insulinresistent und hatten eine kürzere Lebensspanne als die normal gefütterten Vergleichsfliegen. Und sie entwickelten Harnsteine. Gaben die Forschenden den Fliegen zusätzlich Wasser, konnte der lebensverkürzende Effekt aufgehoben werden. Das deutet darauf hin, dass nicht nur Stoffwechselstörungen und Adipositas für den lebenszeitverkürzenden Effekt verantwortlich sind, sondern auch das vermehrte Anfallen von Harnsäure und der gestörte Urinabbau durch zu hohen Zuckerkonsum.
Die Leiterin der Studie, Dr. Helena Cochemé vom Imperial College London: „Die mit Zucker gefütterten Fruchtfliegen leben zwar länger, wenn wir ihnen mehr Wasser geben, sie sind aber immer noch nicht gesund. Unsere Studie legt jedoch nahe, dass die Störung des Purinabbaus der bestimmende Faktor für die verkürzte Lebenszeit von Fliegen mit hoher Zuckeraufnahme ist. Das bedeutet, dass der frühe Tod durch Zucker nicht unbedingt eine direkte Folge der Fettleibigkeit selbst ist.“ Forschende des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) konstatieren, dass ein ähnlicher Mechanismus auch beim Menschen wirken könnte. Ein Team um Professor Christoph Kaleta, Professor Andre Franke, Professor Matthias Laudes und Professor Wolfgang Lieb – alle von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) – hat den Einfluss von zuckerreicher Ernährung bei gesunden Menschen untersucht.
 
Zuckerkonsum verschlechtert Nierenfunktion
„Auffallend war, dass die Aufnahme von Zucker über die Nahrung beim Menschen, genau wie bei Fruchtfliegen, mit einer schlechteren Nierenfunktion und höheren Harnsäurewerten im Blut in Zusammenhang stand“, sagt Prof. Christoph Kaleta vom Institut für experimentelle Medizin der CAU. „Es wird interessant sein, genauer zu untersuchen, wie die Ansammlung von Harnsäure durch erhöhten Zuckerkonsum mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes zusammenhängt und ob sie vielleicht sogar auch beim Menschen die Lebenserwartung direkt beeinflusst“, sagt Kaleta. „So könnten wir in Zukunft auch neue therapeutische Ziele und Strategien finden, die ein gesundes Altern fördern“, blickt Kaleta voraus.
Quelle: Pressemiteilung der Christian-Albrechts-Universität zu Köln vom 20.03.2020 https://bit.ly/3bq1v4h
ICD-Codes: E79.0
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