Stress | Naturmedizin 1/2019

Zu Tode gearbeitet?

Es gilt als allgemein bekannt, dass Stress gerade bei kardiometabolischen Erkrankungen vermieden werden sollte. Aber faktisch ist kaum Evidenz für diese Annahme vorhanden. Wie viel Einfluss hat Stress als Risikofaktor bei Patienten mit kardiometabolischen Vorerkrankungen wirklich?

Arbeitsbedingte Stressoren wie hohe Anforderungen im Job mit wenig Spielraum (Job Strain) bzw. die Effort-Reward-Imbalance werden immer häufiger als Risikofaktoren für stressbedingte kardiometabolische Erkrankungen angesehen. Hierzu zählen beispielsweise Koronarsyndrome, Schlaganfall und Diabetes.
Eine aktuelle Multikohortenstudie hat die Ergebnisse von sieben großen Kohortenstudien aus Europa analysiert und den Effekt von Arbeitsstress auf die Mortalität von gesunden und kardiometabolisch vorbelasteten Personen untersucht.
Insgesamt wurden die Daten von 102.633 Personen ausgewertet, von denen 3.441 kardiometabolisch erkrankt waren und 3.841 Personen im Beobachtungszeitraum verstorben sind. Für Männer mit kardiometabolischer Erkrankung war die Sterberate (Hazard Ratio = HR) in der Kohorte mit Arbeitsstress um fast 70% höher als in der Kontrollgruppe ohne Stress (HR =1,68). Selbst für Männer mit einem günstigen Risikoprofil konnte dieser Effekt beobachtet werden. Die Ergebnisse waren zudem unabhängig von weiteren konventionellen Risikofaktoren (u. a. sozioökonomischer Status, lebensstillassoziierte Risikofaktoren, Raucherstatus, BMI, physikalische Aktivität und Alkoholkonsum). Herkömmliche Präventionsstrategien scheinen somit keinen signifikanten Einfluss auf die Sterberate zu haben, und neue Ansatzpunkte sollten diskutiert werden. Für Frauen konnte kein signifikanter Einfluss von Arbeitsstress auf die Gesamtmortalität festgestellt werden.
Quelle:

Kivimäki M et al.: Work stress and risk of death in men and women with and without cardiometabolic disease: a multicohort study. Lancet Diabetes Endocrinol. 2018: 705-13. doi: 10.1016/ S2213-8587(18)30140-2

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