Pseudomonas-aeruginosa-Infektionen | Naturmedizin 4/2018

Zimt unterbricht Biofilmbildung

Seit der ersten Anwendung haben Antibiotika unzählige Leben gerettet. Nun aber zeigen sich die negativen Folgen der teilweise unreflektierten Antibiotikaanwendung. Antibiotikaresistenzen sind ein drängendes, globales Problem. Traditionell verwendete Phytotherapeutika können Teil der Lösung sein. Zimt ist besonders interessant.
Sanjida Topa und ihre Kollegen von der Swinburne University of Technology in Australien untersuchen traditionelle Medikamente. Zuletzt haben sie sich auf Zimt als möglichen Biofilminhibitor konzentriert, genauer: auf das Zimtaldehyd (ZAD).
Der Stoff findet sich als Hauptbestandteil des ätherischen Zimtöls in der Zimtrinde und ist für den unverwechselbaren Geschmack und das Aroma des Gewürzes verantwortlich.
Eine antimikrobielle Wirksamkeit des Zimtaldehyds wurde schon gegen eine Reihe grampositiver und gramnegativer Pathogene beschrieben, einschließlich Pseudomonas aeruginosa, Helicobacter pylori und Listeria monocytogenes.
Trotz dieser positiven Ergebnisse vieler Studien ist Zimt in der pharmazeutischen Industrie nicht wirklich stark vertreten.
 
Eindringen und stören
 
Die Ergebnisse der In-vitro-Untersuchungen von Topa et al. mit dem Bakterium wurden in der Fachzeitschrift Microbiology veröffentlicht und gehen dem Wirkmechanismus auf die Spur.
Die Wissenschaftler konnten erneut feststellen, dass Zimtaldehyd die Schwarmmotilität und damit die Biofilmbildung des Bakteriums P. aeruginosa hemmt. Die Hypothese des Wirkmechanismus: ZAD durchbricht als ätherisches Öl die Zellmembran (Membrandepolarisation) und wirkt vermutlich durch die Modulation intrazellulärer Signalprozesse hemmend auf die Ausbreitung des Erregers.
Vor allem für Oberflächenbehandlungen bei Hautinfektionen könnte die Herstellung eines standardisierten Zimtaldehyds eingesetzt werden.
Auch Ingwer kann gegen P.-aeruginosa- Infektionen wirksam sein. Ein Extrakt der Knolle kann dessen Biofilmbildung um bis zu 59% reduzieren.
 
Wissen umsetzen
 
Nun ist es an der Zeit, die Erforschung pflanzlicher antimikrobieller Wirkstoffe mit Hochdruck voranzutreiben, damit sie in nicht allzu ferner Zukunft in der Praxis zum Einsatz kommen können. Gerade Menschen mit geschwächtem Immunsystem, die an Krebs, Mukoviszidose oder Diabetes erkrankt sind, könnten davon profitieren.
Quelle: Topa SH et al.: Cinnamaldehyde disrupts biofilm formation and swarming motility of pseudomonas aeruginosa. MICROBIOLOGY 2017; 164(9): 1087-97
ICD-Codes: A49.8

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