Spezial Yoga-Im Gespräch | Naturmedizin 4/2018

Yoga kann Teil eines erfüllenden Weges sein

Als ganzheitlich arbeitende Medizinerin verbinden Sie die westliche Schulmedizin mit der indischen ayurvedischen Medizin. Stehen sich die beiden Pole nicht gegenseitig im Wege?
Nein. Jedes Medizinsystem bildet bestimmte Aspekte eines Menschen besser ab als das andere. Versteht man einen Menschen und seine Erkrankungen mit verschiedenen Systemen, hat man bessere Möglichkeiten, die optimale Therapie für diesen Patienten in seinem individuellem Falle herauszufiltern.
 
Einer Ihrer beruflichen Schwerpunkte ist die Yogatherapie. Was macht Yoga im Unterschied zu anderen „Bewegungstherapien“ so besonders?
Yogatherapie ist eben bei Weitem nicht nur eine Bewegungstherapie. Es ist ein Übungsweg, der Bewegung, Atmung und geistige Aktivität immer gemeinsam einsetzt, um auf den verschiedenen Ebenen gleichzeitig zu wirken. Damit können nicht nur Erkrankungen im Bewegungsapparat behandelt werden, sondern alle Störungen, denen sich ein Mensch ausgesetzt sieht. Es gibt kaum eine ganzheitliche Therapie, die so differenziert auch wissenschaftlich untersucht wurde. So kann man Wirkungen von Yoga auf körperlicher Ebene bis in den Zellkern nachweisen!
 
Welche Patienten können besonders von einer Yogatherapie profitieren und warum?
Eigentlich gibt es keine Menschen, die, sind sie offen für einen solchen Weg wie den des Yoga, nicht davon profitieren könnten. Trotzdem sind sicher Menschen mit Schmerz, Erschöpfung, immunologischen oder „essenziellen“ Erkrankungen meist die, die sich am ehesten für einen Therapieweg wie den des Yoga entscheiden, weil eben dort die schulmedizinische Alternative verhältnismäßig unbefriedigend ist.
 
Gibt es auch Patienten, denen Sie von Yoga abraten würden?
Natürlich ist nicht für jeden Menschen die gleiche Form von Yoga therapeutisch sinnvoll. So sollten z. B. körperliche Übungen bei Fieber oder akuten Erkrankungen nur extrem eingeschränkt geübt werden, sehr schnelle Atemtechniken sind bei Epilepsie kontraindiziert und mit meditativen Formen sollten Menschen mit psychischen Erkrankungen, bei denen sich die Ich-Grenzen sich verwischen, nur mit professioneller Hilfe arbeiten.
 
Wo hat Yoga seine Grenzen?
Bei akuten und strukturbetonten Erkrankungen kann ein Mensch, der Yoga schon übt, seine Techniken unterstützend einsetzen. Eine alleinige Therapie mit Yoga oder gar ein Anfang mit Yoga in solch einem Moment ist sicherlich nicht zu vertreten. Yoga wirkt langsam, zuerst auf die Funktion und erst viel später auf die Struktur. Yoga muss geübt werden, um in einem Notfall wie z. B. einem Asthmaanfall oder einer Hochdruckkrise auch sofort wirken zu können.
 
Können Sie über Patienten berichten, bei denen eine Yogatherapie besonders erfolgreich war, und was waren konkret die Effekte?
Es gibt so viele schöne Beispiele, etwa das Verschwinden von massiven, nicht beherrschbaren Schmerzzuständen, Erschöpfungsgeschehen, Depressivität oder Angst, Schlafstörungen oder das Erfüllen von einem langjährigen Kinderwunsch. Für jeden, der mit Yoga in sein eigenes, gesundes Leben findet, ist der Weg ein erfüllender, der mit Beendigung der Symptomatik auch meist nicht aufhört.
 
Worauf muss man achten, wenn man als Arzt eine Yogatherapie verordnen will?
Bislang ist Yoga im therapeutischen Kontext meist keine Kassenleistung. Ausbildungen in Yogatherapie sind bislang noch wenig reguliert. Die Deutsche Gesellschaft für Yogatherapie e. V (DeGYT e. V.) arbeitet zurzeit an einer Anerkennung des Berufes des Yogatherapeuten mit einem definierten Ausbildungsstandard im deutschen Gesundheitswesen. Bislang muss sich der verschreibende Arzt also um einen gut ausgebildeten Yogatherapeuten bemühen. Auch hierbei unterstützt die DeGYT gerne.
 

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Dr. med. Hedwig
Gupta aus Ludwigsburg
ist Fachärztin
für Orthopädie mit
dem Schwerpunkt
Rheumatologie.
Weiter ist sie auf
Ayurveda und Yogatherapie
spezialisiert

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