Ethnobotanische Forschung | Naturmedizin 2/2018

Wissen über Pflanzenmischungen nutzbar machen

Phytopharmaka werden meist bezüglich ihrer ethnopharmakologischen Relevanz isoliert bewertet. Sehr häufig aber werden in der volksmedizinischen Verwendung Heilpflanzen kombiniert. Über solche traditionellen Mischungen ist daher wertvolles Wissen vorhanden, das erforscht werden sollte.
Es ist möglich, Daten von traditionell angewandten Heilpflanzenmischungen nutzbar zu machen. Dies zu beweisen und ein Protokoll für weitere Studien zu entwickeln war das Ziel fünf spanischer Botaniker. Für ihre Untersuchung wählten sie die Orte Alt Empordà (Gemeindeverband) und Ripoll (Stadt) in Katalonien, Spanien, aus, führten 205 Interviews mit 341 Informanten und analysierten 462 dort traditionell gebräuchliche phytotherapeutische, humanmedizinische Arzneimischungen sowie 22 veterinäre Mischungen.
Sie fanden heraus: Thymus vulgaris und Rosmarinus officinalis sind am häufigsten Bestandteil traditioneller Mischungen, die am häufigsten verwendeten Pflanzenfamilien sind Lamiaceae (30,09 %) und Asteratheceae (24,03 %), Malvaceae (14,94 %), Rutaceae (14,07 %) und Rosaceae (12,77 %). Die meisten Mischungen werden gegen Atemwegserkrankungen eingesetzt, gefolgt von den Indikationen Hauterkrankungen, Magen- Darm-Störungen und muskuloskelettalen Störungen.
Die Forscher legten eine ausführliche Liste aller Kombinationen und deren Verwendung in den untersuchten Regionen vor. Dies sei ein erster Schritt für weitere Forschungen, denn: Im Erfahrungswissen zu phytotherapeutischen Mischungen liege viel Potenzial zur Entwicklung neuer, standardisierter Kräuterarzneien.
Quelle: Gras A et al.: Folk medicinal plant mixtures: Establishing a protocol for further studies. Journal of Ethnopharmacology 2018; 214: 244–273

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