Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen | Naturmedizin 5/2019

Warum wirken Biologika nicht bei allen Patienten?

Eine etablierte Therapie bei CED ist die Behandlung mit Antikörpern, die sich an spezifische Botenstoffe des Immunsystems binden und so deren Funktion blockieren. Doch sie wirkt nicht bei allen Patienten gleich gut. Das liegt am jeweils individuellen Mikrobiom.
Biologika helfen nicht allen CED-Betroffenen. Eine bessere Vorhersage darüber, wer von dem Medikament profitiert und wer nicht, wäre für Behandelnde und Betroffene gleichermaßen ein großer Fortschritt. Diesem Ziel sind nun Mitglieder des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) in einer Studie deutlich nähergekommen, die in der renommierten Fachzeitschrift Gastroenterology veröffentlicht wurde.
Schon in früheren Studien konnte gezeigt werden, dass die Diversität des Darmmikrobioms bei CED-Patientinnen und -Patienten im Vergleich zu gesunden Menschen geringer ist. Die Kieler Forschenden konnten in ihrer Studie nun zeigen, dass eine Biologikatherapie tatsächlich die Diversität bei CED-Patientinnen und -Patienten in Richtung des Mikrobioms gesunder Menschen verändert. Daraus konnten aber keine Rückschlüsse auf das Therapieansprechen gezogen werden. Deshalb wurde ein systembiologischer Ansatz verfolgt. „Wir haben am Computer den Nährstoffaustausch von Bakterien untereinander simuliert und darauf basierend berechnet, welche Stoffwechselendprodukte durch das Mikrobiom im Darm produziert werden“, erläutert Prof. Christoph Kaleta, Leiter der Arbeitsgruppe Medizinische Systembiologie an der CAU.
Interessanterweise zeigte sich hierbei, dass Patientinnen und Patienten, bei denen die Biologikatherapie die Symptome erfolgreich bekämpft, schon vor Therapiebeginn einen völlig anderen Stoffaustausch im Mikrobiom aufwiesen als Patientinnen und Patienten, bei denen die Therapie nicht wirkt. So produzieren die Darmbakterien bei den Betroffenen, die später auf die Therapie ansprechen, unter anderem mehr kurzkettige Fettsäuren, welche eine bekannte schützende Wirkung auf Darmzellen ausüben. Die Erkenntnisse sollen nun helfen, zu erkennen, welche Patienten von einer Biologikatherapie profitieren könnten und welche nicht. Unnötige Medikamentengaben könnten verhindert werden.
Quelle: Aden K et al.: Metabolic functions ... Gastroenterology 2019; S0016-5085(19)41118-9/ Pressemitteilung Universität Kiel

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?