Nachhaltige Ernährung | Naturmedizin 5/2019

Streicheln oder essen – so halten es die meisten Deutschen

Ein Forscherteam der Universität Göttingen hat nun erstmals eine repräsentative Studie zu den verschiedenen tierethischen Positionen in der deutschen Bevölkerung erstellt. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Sustainability erschienen.
Die Positionen zur Frage des Tierverzehrs reichen vom ursprünglichen Anthropozentrismus, wonach der Mensch mit Tieren umgehen darf, wie er möchte, bis hin zum Abolitionismus, der eine Nutzung von Tieren gänzlich ablehnt. Rund 1.000 Bürgerinnen und Bürger wurden nun zu ihrer Einstellung zum Verzehr von Tieren befragt. Sie sollten angeben, inwieweit sie Kernaussagen verschiedener tierethischer Positionen zustimmen oder diese ablehnen. Aus den Ergebnissen identifizierten die Wissenschaftler fünf Gruppen mit verschiedenen Werteprofilen, die sie dann wiederum im Hinblick auf einen nachhaltigen Ernährungsstil untersuchten. Etwa ein Viertel der Befragten unterscheiden bei ethischen Fragestellungen nicht zwischen Nutz- und Heimtieren und ernähren sich signifikant häufiger flexitarisch oder vegetarisch, als dies in den anderen Gruppen zu beobachten ist. Drei weitere Gruppen vertreten zwar ebenfalls deutlich tierwohlorientierte Positionen, unterscheiden gleichzeitig aber zwischen Nutz- und Heimtieren. Tieren in der Landwirtschaft werden dann weniger Rechte zugesprochen. Diese Menschen ernähren sich deutlich seltener vegetarisch. Nur eine sehr kleine Gruppe lehnt sämtliche tierethischen Positionen ab, was sich auch in einer Ernährungsweise mit vielen tierischen Lebensmitteln widerspiegelt. Die Autoren betonen, dass die ethische Gleichsetzung von Nutz- und Haustieren Voraussetzung wäre, um zum Wohle des Umwelt-, Klima- und Tierschutzes mehr Menschen zu weniger Konsum tierischer Lebensmittel zu motivieren.

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