Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Naturmedizin 5/2021

Starke psychische Belastung im Gesundheitswesen durch Covid-19

Die Universität Bonn veröffentlichte eine Studie in PLOS ONE, welche zeigt, dass Beschäftigte im Gesundheitswesen durch die Covid-19-Pandemie schwer belastet sind. Mehr als 20 % der Befragten zeigten ausgeprägt Depressions-Symptome. Am stärksten litten Medizinisch-technische Assistent:innen unter psychischen Folgen.
Die Studie basiert auf einer gemeinsamen großen Online-Befragung an den Universitätskliniken Bonn, Erlangen, Ulm, Dresden und Köln. Auch viele andere Kliniken in Deutschland beteiligten sich. Die Forschenden hatten von April bis Juli vergangenen Jahres, also während der ersten Covid-19-Pandemiewelle, Mitarbeiter:innen im Gesundheitswesen zu der Online- Befragung eingeladen. „Darunter waren neben dem ärztlichen Personal und den Pflegekräften auch 2 Gruppen, die in der Diskussion bislang vernachlässigt wurden“, erklärt Prof. Dr. Franziska Geiser, Direktorin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Bonn. „Einerseits die vergleichsweise kleine Zahl der Seelsorgerinnen und Seelsorger in den Kliniken. Und andererseits die vielen medizinisch-technischen Angestellten – die MTAs in den Untersuchungsbereichen, der Radiologie und den Laboren.“
Jeweils mehr als 20 % der Befragten gaben Depressions- oder Angstsymptome in einem behandlungsbedürftigen Ausmaß an. Diejenigen, die am stärksten unter den psychischen Folgen der Pandemie litten, waren in der Studie übrigens die MTAs. „Warum das so ist, darüber können wir nur spekulieren“, erklärt die Forscherin. „Wir sollten aber auf jeden Fall im Auge behalten, dass in derartigen Situationen nicht nur die Intensivstationen belastet sind, sondern das ganze System. Wir müssen auch diejenigen stärken, die vielleicht nicht so sehr im Rampenlicht stehen, sondern als Helfer im Hintergrund häufig vergessen werden.“ „Wir wissen nicht, wie es bei genau dieser Stichprobe vor der Pandemie aussah“, erklärt Geiser. „Die gefundenen Werte liegen jedoch höher als in früheren Untersuchungen bei Ärzten und Pflegepersonal, wir können also von einer Zunahme in der Pandemie ausgehen. Während aber in Normalzeiten Ärzte und Pflegepersonal eine höhere psychische Belastung aufweisen als die restliche Bevölkerung, hatten sie in der Pandemie in unserer Befragung geringere Angstwerte. Das macht natürlich neugierig auf mögliche Schutzfaktoren.“ Dies umso mehr, da Geiser Teil einer interdisziplinären DFGForschungsgruppe an der Universität Bonn ist, die sich der Erforschung der Resilienz widmet.
Unter den potenziellen Resilienzfaktoren stach besonders das Kohärenzgefühl hervor – vereinfacht gesagt: das Gefühl, dass das Leben sinnvoll ist und Herausforderungen verständlich eingeordnet werden können. Je ausgeprägter das Kohärenzgefühl der Mitarbeiter:innen war, desto seltener litten sie unter psychischen Symptomen.
Quelle:

Schmuck J et al.: Sense of coherence, social support and religiosity as resources for medical personnel during the ... PLOS ONE;

https://doi.org/10.1371/journal.pone.0255211 / Pressemitteilung Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 28.07.2021

Urheberrecht: Adobe Stock - zatevakhin
Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

x