Autophagie und kardiovaskuläre Gesundheit

Naturmedizin 6/2020

So wirkt sich eine Kalorienreduktion auf das Herz aus

Die Autophagie ist ein zellulärer Mechanismus zur Reinigung und „Qualitätskontrolle“, der für die Homöostase und letztlich das Überleben eines Organismus unerlässlich ist. Wenn dieser Vorgang in Herz- oder Gefäßzellen gestört wird, kann dies schädliche Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System insgesamt haben. Abdellatif et al. fassen in einem aktuellen Übersichtsartikel die präklinischen Belege für die Rolle der Autophagie für die kardiovaskulären Gesundheit zusammen. Darüber hinaus diskutieren sie, wie die Autophagie durch diätetische, pharmazeutische und genetische Interventionen aktiviert werden und dies genutzt werden kann, um häufigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Atherosklerose, Koronarer Herzkrankheit, diabetischer Kardiomyopathie, Arrhythmie und Herzinsuffizienz entgegenzuwirken.

Abdellatif et al zeigen in ihrem Artikel auf, dass eine Erhöhung bzw. eine Unterdrückung der Autophagie signifikante Wirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem hat. Als Interventionen beim Menschen kommen zwei Interventionsarten in Betracht. Da ist einerseits die Kalorienreduktion, die erwiesenermaßen die Autophagie stimuliert. Diese kann in Form einer täglichen Reduktion oder aber mit verschiedenen Fastenformen erzielt werden. Pharmakologisch ist vor allem das Spermidin im Fokus der Forschung, das in der Lage zu sein scheint, die Effekte des Fastens zu simulieren und die Autophagie zu stimulieren.

Diätetische Aktivierung

Es konnte in vielen Studien, vor allem am Tiermodell, gezeigt werden, dass eine Kalorienreduktion im Sinne einer reduzierten täglichen Kalorienaufnahme ohne Unterernährung, effektiv die Autophagie stimuliert. Hierbei erwies sich die der Bereich von 15% bis 40% Reduktion als besonders effizient bei der Verbesserung verschiedener Aspekte der kardiovaskulären Gesundheit. Interessanterweise treten diese vorteilhaften kardiovaskulären Wirkungen der Kalorieneinschränkung auch dann auf, wenn sie für eine kurze Dauer in einem späteren Lebensstadium angewendet wird.  

Pharmakologische Aktivierung

Es gibt verschiedene natürliche und pharmazeutische Verbindungen , die die Autophagie akivieren und erhöhen. Eine solche Verbindung ist das natürliche Polyaminspermidin, dass
pleiotrope kardioprotektive Wirkungen bei Mäusen und Ratten erzielen kann. Diese vorteilhaften Wirkungen sind hauptsächlich auf Verbesserungen im Zellstoffwechsel zurückzuführen. Im Gefäßsystem verbessert Spermidin unter anderem die Blutdruckregulation und kehrt altersbedingte arterielle Versteifung und endotheliale Dysfunktion um.  Spermidin wird in allen lebenden Organismen gefunden. Im Alter nimmt die Konzentration an körpereigenem Spermidin ab. An Labormäusen konnte eine Forschergruppe um den Grazer Molekularbiologen Frank Madeo zeigen, dass Spermidin eine kardiovaskuläre Schutzwirkung hat. Es  kann sowohl über die Ernährung zu sich genommen werden, als auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln.

Genetische Aktivierung

In Versuchen mit transgenen Mäusen wurde gezeigt, dass eine Aktivierung und Erhöhung der Autophagie mit einem gesünderen Herz-Kreislauf-System und einer verlängerten Gesundheitsspanne einhergeht – und umgekehrt.

 

Quelle: Abdellatif M et al.: Autophagy in cardiovascular health and disease. 2020.
Prog Mol Biol Transl Sci. 2020; 172: 87–106. doi:10.1016/bs.pmbts.2020.04.022
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