Interview | Praxis-Depesche

Sanofi nach dem Strategiewechsel: Wie geht’s weiter?

Mit Prof. Dr. med. W. Dieter Paar, Arzt für Innere Medizin, Direktor Medizin, Sanofi Deutschland
und Dr. Fabrizio Guidi, Vorsitzender der Geschäftsführung, Sanofi Deutschland

 

? Die Ankündigung einer neuen strategischen Ausrichtung von Sanofi hat für einige Verunsicherung bei Ärzten und Patienten gesorgt. Können Sie die Veränderungen kurz skizzieren?

Dr. Fabrizio Guidi: Das Unternehmen wird sich künftig auf Wachstum konzentrieren, Vorsprung durch Innovation schaffen, die Effizienz beschleunigen und die Organisation des Unternehmens neu definieren. Diese veränderte Strategie soll Sanofi in die Lage versetzen, künftig mit neuartigen Medikamenten Durchbrüche zu erzielen und wichtige Patientenbedürfnisse zu erfüllen.

? Was bedeutet dieser Strategiewechsel für den Bereich Diabetes?

Guidi: Damit die neue Strategie gelingt, müssen wir uns ganz auf unsere Prioritäten fokussieren. Unser Engagement für Menschen mit Diabetes geht weiter. Unsere Insuline Lantus®, Toujeo®, Apidra® sowie das Insulin-Biosimilar Insulin lispro Sanofi haben Behandlungs-Algorithmen verändert und sind wesentliche Optionen zur Behandlung von Diabetes. Im Januar 2020 neu eingeführt wurde die Fixkombination aus Insulin glargin 100 E/ml und Lixisenatid (Suliqua®) zur Behandlung von Menschen mit Typ-2-Diabetes, die unter einer basalunterstützten oralen Therapie keine ausreichende glykämische Kontrolle erreichen. Darüber hinaus planen wir die Einführung eines weiteren Insulin Biosimilars noch in diesem Jahr.

? Ist aufgrund der aktuellen strategischen Entscheidung noch mit Studiendaten von Sanofi im Bereich Diabetes zu rechnen?

Prof. Dr. med. W. Dieter Paar: Selbstverständlich! Wir werden auch in Zukunft interventionelle sowie nicht interventionelle Studien mit unseren Insulinen durchführen. Um neue Real World Evidence in der Diabetesbehandlung zu generieren, werden wir außerdem Therapieverläufe mit modernen technologischen Analyse-Methoden auswerten. Darüber hinaus wird es Studienprojekte im Bereich Integrated Care geben. Weitere Forschung – angesiedelt im Bereich Immunolo­gie – wird mit Blick auf die Ursachen des Typ-1-Diabetes initiiert.

? Sanofi hat in der Vergangenheit zahlreiche Aktivitäten rund um das Thema Diabetes initiiert – darunter Patientenschulungen, Fortbildungen für Ärzte und nicht zuletzt die Aufklärungsaktion „Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 Plus“. Was wird aus diesem Engagement?

Guidi: Aktuellen Zahlen zufolge sind 9,5 Mio. der Erwach­senen in Deutschland von Diabetes betroffen. Dies unterstreicht die Bedeutung der Aufklärungsaktionen „Wissen, was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 Plus“. Der seit 2005 ungebrochen hohe Andrang an den Aktionsständen zeigt uns, wie wichtig ein Engagement vor Ort ist! Deshalb wird die Aktion in diesem Jahr fortgesetzt; der nächste Aktionstag ist der 23. April in Viernheim.

Paar: Fortgeführt werden u. a. das Schulungsprogramm für Patienten bot leben sowie die Fortbildungsplattform eAcademy für Healthcare Professionals.

? Was wird aus den angekündigten Kooperationen im Bereich Integrated Care – darunter die Partnerschaften mit Biocorp oder Abbott?

Guidi: Wir setzen auf neue Entwicklungspartnerschaften für spezielle Integrated Care Lösungen, die auf unser Insulinportfolio zugeschnitten sind. Ziel der Partnerschaft mit Biocorp ist die Entwicklung neuer digitaler Lösungen – beispielsweise eine intelligente Sensorkappe für alle im SoloStar® verfügbaren Insuline. Das vernetzte Gerät wird die automatische Aufzeichnung und Übertragung von Dosisinformationen über eine mobile App ermöglichen. Ziel der Kooperation mit Abbott ist es, Technologien zur Glukosemessung und zur Insulinverabreichung zusammenzuführen um das Management des Diabetes für die Betroffenen weiter zu vereinfachen. Über eine Kombination der FreeStyle Libre Technologie von Abbott mit Informationen zur Insulindosierung für zukünftige Insulin-Smartpens, Titrierungs-Apps und einer Cloud-Software von Sanofi verfolgen die beiden Unternehmen einen innovativen Ansatz zur vernetzten Versorgung.

Wir danken Ihnen für das Gespräch!
Das Interview führte Monika Walter

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