Anthropogener Klimawandel

Naturmedizin 3/2021

Pollensaison in Nordamerika 20 Tage länger als vor 30 Jahren

Viele Ärzt:innen kennen es inzwischen aus ihrer Praxis: Für die Allergiker:innen wird die Verschärfung und Verlängerung der Pollensaison immer belastender. Der frühere und wärmere Frühling spielt eine große Rolle. Nun gibt es eine erste Langzeitstudie aus Nordamerika dazu, die die Folgen des anthropogenen Klimawandels auf die Pollenbelastung für den Menschen umfassend untersuchte.
Der Klimawandel könnte räumliche und zeitliche Verschiebungen der Pollenfrachten in der Luft auslösen, die große Folgen für die Atemwegsgesundheit haben: Allergien und Asthma, Virusinfektionen, Schulleistung, nachgelagerte wirtschaftliche Auswirkungen und die Auslastung von Notaufnahmen. Die anthropogenen Klimaänderungen können die Pollenkonzentration erhöhen und die Pollensaison verlängern. Während Gewächshaus- und Feldstudien schon zeigen, dass die Pollenkonzentrationen mit der Temperatur korrelieren, stand eine wissenschaftlich fundierte Erkennung und Zuordnung der Rolle des anthropogenen Klimawandels in der kontinentalen Pollensaison noch aus.
Anderegg WRL et al. verwendeten Langzeitdaten über Pollen von 60 nordamerikanischen Stationen von 1990 bis 2018, die Daten von 821 Standortjahren sowie Erdsystem-Modellsimulationen, um die Rolle des vom Menschen verursachten Klimawandels in kontinentalen Mustern in Pollenkonzentrationen zu quantifizieren.
Sie fanden weit verbreitete Anstiege und Verlängerungen der Pollensaison (+20 Tage) und einen Anstieg der Pollenkonzentrationen (+ 21%) in Nordamerika, die stark an die beobachtete Erwärmung gekoppelt sind. Der menschliche Einfluss auf das Klimasystem trug ca. 50 % zum Trend bei der Länge der Pollensaison und ca. 8 % zum Trend bei den Pollenkonzentrationen bei. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass der anthropogene Klimawandel die Pollensaisons in den letzten 3 Jahrzehnten bereits verschlimmert hat, mit den entsprechenden damit verbundenen schädlichen Auswirkungen auf Gesundheit der Atemwege.
„Wir bekommen wärmere Winter, wärmere und frühere Frühlinge, und das treibt viel davon an“, sagte William Anderegg gegenüber „The Guardian“. Er ist Co-Autor der Studie und Wissenschaftler an der Universität von Utah und interessiert sich für das Thema wegen seines eigenen saisonalen Heuschnupfens. „Dies ist ein wirklich klares Beispiel dafür, dass der Klimawandel bereits da ist, im Wesentlichen in jedem Atemzug, den wir machen. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind bei uns angekommen und werden sich wahrscheinlich verschlimmern.“
Quelle: Anderegg WRL et al.: Anthropogenic climate change is worsening North American pollen seasons. Proc Natl Acad Sci U S A. 2021 Feb 16;118(7):e2013284118. doi: 10.1073/pnas.2013284118. PMID: 33558232; PMCID: PMC7896283
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