Die richtige Pflanze wählen | Naturmedizin 1/2018

Phytopharmaka bei Husten

Gegen unkomplizierten, akuten Husten gibt es eine Vielzahl gut wirksamer pflanzlicher Präparate – die Linderung von Atemwegserkrankungen ist eines der Haupteinsatzgebiete der Phytotherapie. Für jedes Hustenstadium findet sich die passende Arznei.
Rollen Erkältungswellen über das Land, sind die Wartezimmer voll mit hustenden Patienten. Zu Beginn einer Infektion ist der Husten typischerweise reizend und unproduktiv und geht später in eine Phase mit vermehrter Schleimbildung über. Um eine akute Bronchitis zu verhindern oder begleitend zu therapieren, können je nach Stadium unterschiedliche Phytopharmaka eingesetzt werden.
 
Schleimstoffdrogen gegen trockenen Reizhusten
 
Ist der Husten trocken, unproduktiv und mit Halsschmerzen verbunden, werden Schleimstoffdrogen (Mucilaginosa) zur Reiz- und Schmerzlinderung eingesetzt. Sie legen eine Art Schutzschicht über die v. a. im Bereich des Hypopharynx und der Epiglottis gereizten Schleimhaut.
Klassische Schleimstoffdrogen sind Spitzwegerich, Eibischwurzel, Huflattich und Isländisch Moos. Spitzwegerich hat sich speziell bei Kindern als Antitussivum bewährt. Auch Lindenblüten, Bockshornklee, Lungenkraut, Malve und Stockrose enthalten Schleimstoffe.
Zubereitungen mit Schleimstoffdrogen sollten über den Tag verteilt mehrmals eingenommen werden, um die reizlindernde Wirkung auf der Schleimhaut immer wieder zu erneuern. Hier eignen sich Sirupe, Lutschpastillen und Tees.
 
Expektorantien bei Verschleimung
 
Schleimauswurffördernd wirken Ätherisch-Öl- und Saponindrogen. Sie verflüssigen den Schleim, steigern die Sekretion und beschleunigen den Schleimtransport.
Unter den Ätherisch-Öl-Drogen sind vor allem Anisfrüchte und Thymiankraut gute Schleimlöser, Fenchel- und Sternanisfrüchte wirken ein wenig schwächer. Auch Quendelkraut und Bibernelle wirken expektorierend. Die Süßholz- und die Primelwurzel zählen zu den saponinhaltigen auswurffördernden Drogen, Erstere wird wegen ihres guten Geschmacks gerne in Teerezepturen verwendet.
 
Vierfach hustenstillende Wirkung
 
Diese Phytotherapeutika vereinen vier Wirkungsweisen: Efeu und Thymian sind pflanzliche Hustenstiller, die spasmolytisch, antiphlogistisch, expektorierend und antimikrobiell wirken. Aus der Behandlung von Reizhusten mit festsitzendem Schleim und starken Hustenattacken sind sie nicht wegzudenken. Sie können als Hustensaft, Tropfen oder Tabletten eingenommen werden, Thymian findet auch häufig Verwendung in Teemischungen.
Ist der Husten stark und krampfartig, empfiehlt sich auch hier besonders der Einsatz von Thymiankraut oder Efeublättern. Eine gute spasmolytische Wirkung haben aber auch Sonnentaukraut und Pestwurzelstock.
 
Schmerzen stillen und Infekten vorbeugen
 
Wer hustet, hat meist auch Halsschmerzen. Eine Schmerzlinderung durch ihre entzündungshemmende Wirkung entfalten vor allem die afrikanische Umckaloabowurzel, das Spitzwegerichkraut, die Süßholzwurzel, Efeublätter sowie das Sonnentaukraut.
Antibakteriell wirkende Phytotherapeutika können helfen, weitere bakterielle Infekte zu verhindern oder eine Antibiose zu ergänzen. Auch hier eignen sich besonders Umckaloabo, Efeu und Thymian. Eine ausgeprägte antibakterielle Wirkung haben auch glucosinolathaltige Drogen wie Kapuzinerkresse, Brunnenkresse und Meerrettich, die mit standardisierter Wirkstoffmenge in Kapselform oder als Pflanzenfrischpresssaft erhältlich sind.
 
Literatur
(1) Blaschek, Wolfgang: Wichtl – Teedrogen und Phytopharmaka, 6. Auflage 2015, WBG Stuttgart
(2) Fintelmann, Volker/Weiss, Rudolf Fritz/Kuchta, Kenny: Lehrbuch Phytotherapie, 13. Auflage 2017, Haug Verlag Stuttgart
(3) Bäumler, Siegfried: Heilpflanzenpraxis heute, 2007, Elsevier München

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