Laktasepersistenz

Naturmedizin 6/2020

Milchverträglichkeit noch relativ jung

Die menschliche Fähigkeit, auch nach dem Säuglingsalter Milch verdauen zu können, hat sich in Mitteleuropa in nur wenigen Tausend Jahren verbreitet. Das zeigen Ergebnisse eines internationalen Forschungsteams unter Leitung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU).
Die Forscher haben das Erbgut in Knochen von Menschen untersucht, die circa 1.200 v. Chr. in der „Schlacht an der Tollense“, einem Fluss im heutigen Mecklenburg- Vorpommern, gefallen waren. Nur etwa jeder Achte hatte eine Genvariante, die es ihm ermöglichte, Laktose zu spalten. „Von der heutigen Bevölkerung desselben Gebiets verfügen 90 % über dieses Merkmal, die sogenannte Laktasepersistenz“, sagt Prof. Dr. Joachim Burger von der JGU. „Dieser Unterschied ist enorm, wenn man bedenkt, dass nicht viel mehr als 120 Menschengenerationen dazwischenliegen.“ Bis auf die seltenere Ausprägung der Genvariante sei das Erbgut der Tollen- FODMAPs sind Kohlenhydrate, die bei Reizdarm-Patienten Schmerzen verursachen können. In einer traditionellen Art wird Teig bis zu 48 Stunden lang ruhen gelassen, bevor er als Brot in den Ofen geschoben wird. Das Backgewerbe scheint aktuell zu meinen, dass eine hohe Verträglichkeit von Brot durch besonders lange Teigführungszeiten erreicht werden könne, ohne dass die Herstellungsseleute ähnlich dem heutiger Bewohner Norddeutschlands und des Ostseeraums. „Die einzige Möglichkeit, den Unterschied zwischen Bronzezeit und heute zu erklären, ist starke darwinische Selektion“, sagt der Biologe Prof. Dr. Daniel Wegmann von der Université de Fribourg in der Schweiz, der ebenfalls federführend an der Studie beteiligt war: „Wir schließen daraus, dass laktasepersistente Individuen im Verlauf der letzten 3.000 Jahre mehr Kinder bekommen haben beziehungsweise dass diese Kinder bessere Überlebenschancen hatten als jene ohne dieses Merkmal.“ Die Forscher errechnen einen erstaunlichen Selektionsvorteil: „Auf 100 Nachkommen prozesse genauer beleuchtet werden. Die Wissenschaftler haben die Zusammenhänge genauer beleuchtet. Dabei haben sie Backprodukte mit 21 verschiedenen Weizensorten aus einer im Bäckeralltag typischen langen Teigführung von 25 Stunden mit einer wesentlich kürzeren Herstellungsart von 2 Stunden verglichen. Die Ergebnisse sind klar: Bereits nach zwei Stunden waren die Anteile der schmerzohne kommen in jeder Generation 106 Nachkommen mit Laktasepersistenz, damit ist das entsprechende Gen das am stärksten positiv selektierte im ganzen menschlichen Genom“, sagt Joachim Burger.
Quelle: Burger J et al.: Low prevalence of lactase persistence in Bronze Age Europe indicates ongoing strong selection over the last 3.000 years. 2020. Current Biology. doi: 10.1016/j.cub.2020.08.033 (Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Petra Giegerich)
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