Zucker, Alkohol, Tabak | Naturmedizin 5/2019

Mehr Prävention gegen Karies und Parodontitis wäre notwendig

Im Lancet schlugen diesen Sommer 13 akademische und klinische Experten aus zehn Ländern Alarm. Weltweit leiden ca. 3,5 Milliarden Menschen an Erkrankungen der Mundhöhle, zahlreiche Gesundheitsprogramme haben bislang daran nichts ändern können.
Es müsse dringend mehr Prävention zur Mundgesundheit betrieben werden, denn Erkrankungen der Zähne zählen zu den häufigsten nicht übertragbaren Krankheiten. Die Zahnmedizin müsse dementsprechend neu ausgerichtet werden, fordern die Erstautoren Prof. Dr. Marco A. Peres (Griffith University, Australien) sowie Prof. Dr. Richard G. Watt (WHO Collaborating Centre in Oral Health Inequalities and Public Health, University College London). Derzeit stehe die Therapie im Mittelpunkt, dabei ließe sich mit Prävention ein Großteil aller Erkrankungen verhindern.
Aber auch die Nahrungsmittelindustrie wurde in dem Lancet-Beitrag kritisiert. Denn eine schlechte Mundgesundheit sei nicht nur ein Problem armer Länder. Auch in Industrienationen, wo viel Zuckerhaltiges und vor allem Softdrinks konsumiert werden, sind Karies, Paradontitis & Co. weitverbreitet. Die Industrie ist mächtig und will ihre Märkte erweitern und in ärmeren Ländern mehr Umsatz generieren. So wird Coca Cola den Wissenschaftlern zufolge bis zum Jahr 2020 zwölf Milliarden US-Dollar für die Vermarktung von Softdrinks ausgeben. Erschreckend, wenn man bedenkt, dass das jährliche Gesamtbudget der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei 4,4 Milliarden US-Dollar liegt. Zucker ist die Hauptursache für Karies. Da topische Fluoride zur Kontrolle von Karies hochwirksam sind, würden diese als Allheilmittel verkannt und die Rolle von Zucker unterschätzt. Ein weiterer kritischer Punkt sei die Verflechtung zahnärztlicher Forschungseinrichtungen und der Lebensmittelindustrie.
Weitere Risikofaktoren sind Rauchen und Alkoholkonsum. Eine erweiterte Aufklärung und wirksame Regulierung dieser Faktoren halten die Autoren für unerlässlich. Medizinische und politische Maßnahmen sollten ergriffen werden. Strengere Gesetze und Vorschriften, um den Einfluss der Tabak-, Alkhol- und Zuckerindustrie zu regulieren, seien notwendig.
Quelle: Peres MA et al.: Oral diseases: a global public health challenge. The Lancet, 2019: https://doi. org/10.1016/S0140-6736(19)31146-8

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