Selen, Vitamin E und C, Lycopin, Resveratrol | Naturmedizin 2/2018

Komponenten der Mittelmeerdiät als Prophylaxe gegen Prostatakrebs

Könnte sich die Mittelmeerdiät als prophylaktische Ernährung gegen die Entwicklung von Prostatakarzinomen eignen? Verantwortlich für einen prophylaktischen Effekt ist vermutlich der hohe Gehalt an bioaktiven Phytochemikalien.
Die Inzidenz von Prostatakarzinomen (PCa) ist in den letzten zwei Jahrzehnten rasant gestiegen. Aber Länder, in denen die Ernährung nach der traditionellen Mittelmeerdiät üblich ist, haben niedrigere Prostatakarzinom- Inzidenz- und -Mortalitätsraten im Vergleich zu anderen europäischen Regionen. Woran liegt das? An der Ernährung?
Es liegen Studien dazu vor, doch mit unterschiedlichen Ergebnissen. Manche finden keine Assoziationen zwischen der Mittelmeerdiät (MMD) und der Entwicklung von PCa, andere dagegen schätzen beispielsweise, dass ca. 10 % der PCa-Fälle in den Vereinigten Staaten durch die Einhaltung der Mittelmeerdiät verhindert werden könnten. Deshalb untersuchten Lópes-Guarnido et al. die Studienlage zu Assoziationen zwischen einzelnen Komponenten der MMD und PCa, um besser einzugrenzen, welche Lebensmittel – und vor allem welche derer Inhaltsstoffe – für den Effekt verantwortlich sein könnten.
Die Hauptmerkmale der MMD sind ein hoher Anteil von Gemüse und Obst, Hülsenfrüchten, Getreide, viel ungesättigte Fettsäuren in Form von Olivenöl, mäßig bis häufig Fisch, wenig Fleisch und Milchprodukte sowie die regelmäßige Aufnahme von Ethanol in Form von Wein.
Der hohe Gehalt an Ballaststoffen, Mikronährstoffen und Phytochemikalien in Obst und Gemüse hat eine nachgewiesen antikanzerogene Wirkung. Zu Hülsenfrüchten und PCa gibt es eine Studie, die zeigt, dass das PCa-Risiko sank, je mehr Hülsenfrüchte verzehrt wurden. Interessant: Dies gilt nicht für Getreide(produkte), hier gab es keine signifikanten Assoziationen.
Keine guten Nachrichten für die Milchindustrie: Mehrere Studien, u. a. aus Europa, Kanada und Japan, zeigen: Je mehr Milchprodukte verzehrt werden, desto höher das Risiko für eine Prostatakrebsentwicklung. Rotwein enthält viele Polyphenole und Antioxidantien. Einige wenige Studien gibt es zu Rotwein und PCa, diese können aber keine Assoziation feststellen.
 
Selen
 
Selen scheint eine besonders wichtige Rolle zu spielen. Besonders hohe Gehalte daran weisen Meeresfrüchte und Fisch auf, die in der MMD häufig verzehrt werden. Eine systematische Überprüfung durch ein Expertengremium im Auftrag des World Cancer Research Fund und des American Institute for Cancer Research (WCRF-AICR) kam zu dem Ergebnis, dass eine hohe Selenaufnahme vor Prostatakrebs schützt. Zahlreiche Studien unterstützen diese Einschätzung. Die zusätzliche Einnahme von Selen (200 μg / Tag) hat sich in diesen Untersuchungen als prophylaktisch erwiesen.
 
Vitamin E und C
 
Die antioxidativ wirkenden Vitamine stecken vor allem in Früchten, Gemüsen, Nüssen und Ölen. Vitamin E hemmt die Lipidperoxidation und schützt die DNA vor Schäden, die an der Krebsentstehung beteiligt sind. Ein Großteil der Untersuchungen zeigt einen positiven Effekt von Vitamin E. Vitamin C verhindert oxidative Schäden und hemmt das Wachstum und die Lebensfähigkeit von PCa-Zellen. Zwei Fall-Kontroll-Studi- en berichten, dass ein verringertes PCa-Risiko mit der zusätzlichen Einnahme von Vitamin C assoziiert ist.
 
Lycopin
 
Lycopin ist ein Carotinoid und bildet die roten Pigmente in Tomaten, Aprikosen und Wassermelonen. Die wichtigste Nahrungsquelle für Lycopin sind Tomaten(produkte). Lycopin hat antioxidative Aktivitäten, entzündungshemmende Eigenschaften, es hemmt die Zellprofileration und induziert die Krebszellapoptose, insbesondere bei PCa. Je mehr Lycopin aufgenommen wird, desto geringer das PCa-Risiko.
 
Resveratrol
 
Vornehmlich in Weintrauben, Erdnüssen und Maulbeeren findet sich Resveratrol. Die Studienergebnisse sind hier auch wieder kontrastierend, aber viele In-vitro- und In-vivo-Studien geben Hinweise, dass Resveratrol in der Lage ist, die Prostatakarzinomentwicklung zu inhibieren.
Quelle: Lópes-Guarnido O et al.: Bioactive compounds … The Aging Male 2018 https://doi.org/10.1080/136 85538.2018.1430129
ICD-Codes: E61.8

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