Juvenile idiopathische Arthritis | Naturmedizin 5/2019

Ist eine gestörte Darmflora schuld?

Aus mehreren Studien ist bekannt, dass einige Autoimmunerkrankungen wie der Typ-1-Diabetes oder die rheumatoide Arthritis mit Änderungen in der Zusammensetzung der Darmflora verbunden sind. Auch bei der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA) scheint die intestinale Darmmikrobiota eine wesentliche Rolle zu spielen.
Als Erkrankung unbekannter Ätiologie ist die Rolle der Darmflora als möglicher therapeutischer Ansatzpunkt besonders interessant. Hinweise auf das Vorliegen einer Dysbiose in dieser Indikation lieferte nun eine aktuelle Kohortenstudie.
An einem Zentrum in Italien und einem weiteren in den Niederlanden rekrutierte eine Arbeitsgruppe zwischen Oktober 2013 und Dezember 2015 insgesamt 169 Kinder mit neu diagnostizierter JIA und weniger als sechs Monaten bestehender Symptomatik. DMARD- oder steroidtherapierte Patienten waren ausgeschlossen.
Zu Studienbeginn sowie halbjährlich über einen Zeitraum von 24 Monaten wurden Stuhlproben der Patienten eingeholt. Für die Analyse standen letztlich Proben von 78 italienischen und 21 niederländischen Kindern mit JIA zur Verfügung. Dabei wurden 44 Proben im inaktiven Erkrankungszustand und 25 Proben bei persistierender Krankheitsaktivität oder während eines Flare-up der JIA erhoben. 107 Proben von gesunden Kindern dienten als Kontrolle.
In den Gruppen aus den Niederlanden waren die Unterschiede weitaus weniger deutlich ausgeprägt und eher inkonsistent, was vermutlich an der geringen Stichprobenzahl aus dieser Region liegt. Die Proben der italienischen Patienten fielen jedoch durch eine signifikant geringere mikrobielle Diversität gegenüber den Kontrollkindern auf. Eine differenzielle Analyse der Zusammensetzung der Darmflora zeigte, dass Kinder mit JIA vor allem eine erhöhte Abundanz an Erysipelotrichaceae sowie an Faecalibacterium prausnitzii aufwiesen, wohingegen die Gattung Allobaculum in reduzierterem Maße vertreten war als bei gesunden Kindern.
Alle drei Gattungen wurden schon zuvor mit Krankheitsgeschehen in Verbindung gebracht: Erysipelotrichaceae sind Berichten zufolge hochimmunogen und können nach Anwenung eines Breitbandantibiotikums den Darm überwachsen. Ein verringertes Vorkommen von Allobaculum ist mit Übergewicht sowei einem niedrigeren HDL-Cholesterin- und einem erhöhtem Leptinspiegel assoziiert.
F. prausnitzii werden antiinflammatorische Eigenschaften zugeschrieben. Anders als in dieser Studie wurde eine verringerter Abundanz dieser Spezies bei Patienten mit Morbus Crohn beobachtet. Möglicherweise könnte eine Analyse der Subspezies dieser Art diesen Unterschied aufklären.
Die mikrobielle Zusammensetzung der Proben, die in inaktivem Erkrankungsstatus erhoben wurden, unterschieden sich von den bei Studienbeginn entnommenen Proben nicht.
Der Status der Krankheitsaktivität, der Entzündung sowie andere Marker des Autoimmungeschehens schienen keine maßgebliche Rolle für die Dysbiose zu spielen. Trotzdem ist es interessant, die Zusammenhänge zu erkennen.
Quelle: Van Dijkhuizen EHP et al.: Microbiome analytics of the gut microbiota in patients with juvenile idiopathic arthritis: a longitudinal observational cohort study. Arthritis Rheumatol 2019; 71(6): 1000-10

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