Kolon- und Mammakarzinom durch oxidativen Stress | Naturmedizin 2/2019

Ist der Verzehr von Milch und Fleisch europäischer Rinder krebserregend?

Der Medizin-Nobelpreisträger Prof. Dr. Harald zur Hausen stellte auf einer Pressekonferenz am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg eine neue Hypothese zu Krebsrisikofaktoren vor. Erreger, die wir über Milch und Fleisch europäischer Rinder zu uns nehmen, könnten demnach wichtige Risikofaktoren sein.

Schon im Säuglingsalter könne man sich mit den BMMF-Erregern (BMMF: Bovine Meat and Milk Factors) infizieren, so die Hypothese von zur Hausen, der für seine Forschungen zum humanen Papilloma-Virus (HPV) und Gebärmutterhalskrebs den Nobelpreis für Medizin erhielt. Zusammen mit Prof. Dr. Ethel-Michele de Villier und Dr. Timo Bund erforscht zur Hausen die BMMF-Erreger schon seit mehreren Jahren. BMMF-Erreger hätten Charakteristika von Viren und Bakterien, gehören aber zu keinen von beiden. Ihr Aussehen erinnert an einzelsträngige DNA-Kringel, und sie ähneln bakteriellen Plasmiden. Den Forschern ist schon eine Identifizierung von über 100 verschiedene Typen gelungen.
Nach dem Abstillen erhalten die meisten Säuglinge Kuhmilch- oder Rindfleischprodukte, nach zur Hausens Hypothese geschieht die Infizierung also in der Regel sehr früh. Die BMMF förderten in beispielsweise Brust-, Darm- und Prostatagewebe chronische Inflammationsprozesse, die oxidativen Stress verursachen. Dies wiederum führe zu höheren Spiegeln von freien Radikalen, was im Laufe von Jahrzehnten das Krebsrisiko steigern könnte, so die Annahme der Wissenschaftler.
Bei Patienten mit Dickdarmkrebs suchte Molekularbiologe Bund nach den Erregern – und wurde fündig. Die Erreger fand er nicht in den Tumorzellen, sondern in der Lamina propria, also dem umgebenden Gewebe. Diese Beobachtung deckt sich mit der Annahme, dass der oxidative Stress die Krebsentstehung indirekt fördere.
Die Theorie der Infektion kam zur Hausen durch epidemiologische Beobachtungen. Weltweit variierten die Inzidenzmuster von Mamma- und Kolonkarzinomen, was Assoziationen zum Konsum von Milch- und Fleischprodukten europäischer Rinder zeigen könnte. Die Überlegungen sollen nun zu weiteren Studien führen.
Quelle:

Pressekonferenz des Deutschen Krebsforschungszentrums am 26.02.2019: dkfz; https:// bit.ly/2F0ajQl (Stand: 11.03.2019)

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