Oxidativer Stress und Histamin | Naturmedizin 2/2019

Intravenöse Vitamin-C-Therapie bei Allergien

Mehrere Komponenten deuten darauf hin, dass Vitamin C bei der Behandlung allergischer Erkrankungen hilfreich sein könnte. So wurden niedrigere Ascorbinsäure-Plasmaspiegel bei Allergikern festgestellt, und der antioxidativ wirkende Stoff verhindert übermäßige Entzündungsreaktionen, ohne das Immunsystem zu bremsen.

Allergische Erkrankungen sind eine große Herausforderung und in ihrem Ausmaß ein Phänomen des 21. Jahrhunderts. Ergänzende und alternative Behandlungsmethoden werden benötigt, denn die Symptome sind belastend und die Therapie mit Antihistaminika und anderen Antiallergika mit Nebenwirkungen verbunden.
Oxidativer Stress spielt eine Schlüsselrolle bei allergischen Erkrankungen. In Stadien der akuten allergischen Entzündung erhöht sich die Produktion von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) durch membranassoziierte NADPH-Oxidaseproteine von Neutrophilen, Makrophagen oder eosinophile Granzulozyten.
Eben jene NADPH-Oxidaseproteine sind auch in Pollen vorhanden und scheinen die Antigen-induzierte allergische Atemwegsentzündung mit auszulösen. Zusätzlich wird durch die ROS und die Entzündung eine vermehrte Produktion und Ausschüttung von Histamin ausgelöst, was eine Mastzellendegranulation auslöst und/oder eine Histidindecarboxylase induziert.
Die inflammatorische Aktivität der ROS zu unterdrücken und potenzielle Schäden an biologischen Molekülen zu verhindern, scheint also von signifikanter klinischer Relevanz zu sein.
Vitamin C (Ascorbinsäure) ist eines der wirksamsten Antioxidantien in wässriger Phase in menschlichem Blutplasma zum Schutz gegen oxidativen Stress. Sind hochdosierte Vitamin-C-Infusionen als adjuvante Therapie geeignet, um allergische Erkrankungen zu behandeln? Um sich der Beantwortung dieser Frage zu nähern, führte ein fünfköpfiges Wissenschaftlerteam eine Zwischenanalyse einer multizentrischen, prospektiven Langzeit-Beobachtungsstudie durch. Dafür werteten sie die Daten von 71 Patienten mit einem Alter ab zwölf Jahren (mittleres Alter 43 Jahre) mit allergischen Atemwegserkrankungen (56,4 %) oder allergischen dermatologischen Erkrankungen (43,7 %) aus. 45,1 % der Teilnehmer nahmen zusätzlich Antiallergika ein.
Die Daten zu den krankheitsspezifischen und allgemeinen Symptomen wurden zu Beginn und Ende der Behandlung erhoben, was bei akuten allergischen Erkrankungen zwei bis drei Wochen betrug. Bei chronischen Erkrankungen betrug die Behandlungsdauer zehn bis 14 Wochen, hier wurde zusätzlich nach sechs bis acht Wochen Behandlung abgefragt. Die Patienten erhielten i.v. 7,5 g Ascorbinsäure (Prüfpräparat: Pascorbin®, Pascoe) in 100 ml NaCl (0,9 %). Bei akuten Erkrankungen erhielten die Teilnehmer durchschnittlich 7, bei chronischen bis zu 26 Infusionen mit je 7,5 g Vitamin C.
Die Symptome wurden nach einer 4-Punkte-Skala bewertet. Die häufigsten genannten Symptome waren Pruritus und Rhinitis bei den krankheitsspezifischen Symptomen sowie Unruhe aus der Kategorie der allgemeinen Symptome. Eine starke Verbesserung bis hin zur Beschwerdefreiheit am Ende des Beobachtungszeitraums gaben für Pruritus 93,6 %, für Rhinitis 88,5 % und für Unruhe 80 % der Patienten an.
Die krankheitsspezifischen Symptome nahmen signifikant um 4,71 Punkte ab, die nicht-spezifischen Symptome nahmen ebenfalls deutlich um 4,84 Punkte ab.
Die Schlussfolgerungen der Autoren: Die Beobachtungen legen nahe, dass eine Behandlung mit intravenös verabreichtem hochdosiertem Vitamin C allergische Symptome reduzieren kann. Die Studienergebnisse bilden eine Grundlage für weitere randomisierte kontrollierte klinische Studien, die die klinische Relevanz zusätzlich nachweisen sollen.
Die Studie wurde von der Firma Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH mitfinanziert.
Quelle:

Vollbracht C et al.: Intravenous vitamin c in the treatment of allergies...J Int Med Res; 2018. 46(9): 3640-55

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