Erster Fallbericht | Naturmedizin 1/2018

Intravenöse Vitamin-C-Gabe bei akutem Atemnotsyndrom

Erstmals wurde eine Patientin mit virusinduziertem akutem Atemnotsyndrom begleitend mit hoch dosiertem, intravenösem Vitamin C behandelt. Die Intervention war erfolgreich. Das liegt vermutlich an den bekannten entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften von Vitamin C.
Eine 20-jährige Studentin zog sich während eines Italienurlaubes eine virale Infektion der oberen Atemwege zu. In den ersten drei Tagen bekam sie Husten mit gelbem Auswurf und intermittierendes Fieber, auf dem Rückflug in die USA entwickelte sie eine zunehmende Dyspnoe und Hypoxämie, die rasch zu einer akuten Pneumonie, Lungenschäden und akutem Atemnotsyndrom (ARDS) führte. Sie wurde auf der Intensivstation aufgenommen und mit Sauerstoffmaske und Antibiotika (Vancomycin, Piperacillin-Tazobactam und Levofloxacin) versorgt. Am dritten Tag waren wegen deutlicher Verschlechterung des Zustands eine Intubation und eine extrakorporale Lungenunterstützung (ECMO) erforderlich. Die Antibiose wurde weiter fortgesetzt. Die bildgebende Diagnostik des Thorax zeigte dichte bilaterale Trübungen mit zentralen Luftbronchogrammen.
 
Hochdosistherapie
 
Ebenfalls am dritten Tag des Krankenhausaufenthaltes wurde dann mit der hoch dosierten Vitamin- C-Therapie begonnen. Die Patientin bekam 200 mg/kg pro 24 h intravenös, aufgeteilt in vier Dosen alle sechs Stunden. Der Lungengasaustausch verbesserte sich gleich nach Beginn der Vitamin-C-Gabe, zwei Tage später zeigte eine Röntgenaufnahme eine signifikante Verbesserung der bilateralen Lungentrübungen.
An Tag 6 der Vitamin-C-Therapie zeigten sich die Lungentrübungen weiter signifikant verringert, sodass an Tag 7 der Beatmungsschlauch entfernt und die extrakorporale Lungenunterstützung beendet werden konnten. Am folgenden Tag wurde die Vitamin-C-Gabe um die Hälfte (100 mg/kg) und am darauffolgenden Tag nochmals um die Hälfte (50 mg/kg) reduziert. Am zwölften Krankenhaustag konnte die Patientin ohne weitere Atemunterstützung entlassen werden. Sie erholte sich schnell und trug keine bleibenden Schäden davon.
 
Vorhandene Studien
 
In vorangegangenen Arbeiten beschäftigten sich die Wissenschaftler der Commonwealth University School of Medicine Richmond schon mit Vitamin C. Septische Patienten, die hoch dosiertes intravenöses Vitamin C erhielten, profitierten von einer signifikanten Reduktion von multiplen Organschäden und einer Entzündungshemmung.
Diese präklinische Arbeit bei septischen Lungenverletzten zeigte auch, dass Vitamin C entzündungsfördernde Gene herunterreguliert, die vom Transkriptionsfaktor NFkB angetrieben werden. Darüber hinaus zeigte eine Untersuchung, dass Vitamin C die Clearance der alveolären Flüssigkeit bei septischen lungenverletzten Tieren signifikant erhöht.
Die Fähigkeit von infundiertem Vitamin C, freigesetzte reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies herunterzuregulieren scheint für die Abschwächung der Lungenverletzung entscheidend zu sein.
Quelle:

Fowler III A A et al.: Intravenous vitamin c as adjunctive therapy for enterovirus/ rhinovirus induce acute respiratory ... World J Crit Care Med 2107; 6(1): 85-90


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