Mikroökosystem Darmflora

Naturmedizin 1/2020

Immer mehr Daten zu Gesundheitsnutzen

Bei einer Vielzahl chronischer Erkrankungen spielen Störungen der Darmbakterienflora eine wichtige pathogenetische Rolle. Da sich das Darmmikrobiom im Wesentlichen während der Kindheit ausbildet, können Pädiater durch verschiedene therapeutische Maßnahmen Einfluss auf die langfristige Gesundheit ihrer Patienten nehmen.
Zu diesem Schluss kommt ein europäisches Expertengremium, das die verfügbare wissenschaftliche Literatur zur Bedeutung des Darmmikrobioms in der Pädiatrie ausgewertet hat. Unser Darm beherbergt etwa 1.014 Bakterienarten aus mehr als 2.000 mikrobiellen Spezies, die in komplexer Symbiose mit dem Wirt leben und interagieren und seine Gesundheit entscheidend beeinflussen. Es wird angenommen, dass bereits in utero erste Bakterien den fetalen Darm kolonisieren, bevor es im Zuge der Geburt zu einer Besiedlung mit maternalen Vaginal- und Darmkeimen kommt. Nach einer Kaiserschnittgeburt, bei Frühgeborenen sowie bei der Behandlung mit Antibiotika beobachtet man allerdings eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora. Auch Protonenpumpenhemmer sowie ein Stillverzicht wirken sich diesbezüglich ungünstig aus. Die Art der Ernährung beeinflusst das Mikrobiom auch noch im Erwachsenenalter. Die Darmflora schützt vor einer Besiedlung mit pathogenen Keimen, unterstützt die intestinale Barrierefunktion und trägt zur Ausreifung des lokalen und systemischen Immunsystems bei. Eine intestinale Dysbiose scheint dagegen mit einer Reihe chronischer, meist immunologisch bedingter Störungen assoziiert zu sein, darunter entzündliche und funktionelle Darmerkrankungen, Allergien, Adipositas und Lebererkrankungen.
Zur Verbesserung der Gesundheit lässt sich eine gestörte Darmflora gezielt modulieren, schließen die Wissenschaftler: durch die Gabe von Probiotika, Präbiotika, Synbiotika sowie Para- und Postbiotika.
Quelle: Goulet O et al.: Acta Paediatr 2019; 108(11): 1942- 1954. doi: 10.1111/apa.14900
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