Frauenärztliche BundesAkademie 2014 | Gyn-Depesche 4/2014

Gynäkologe – Arzt fürs Leben

Im Fokus des FOKO 2014 in Düsseldorf standen Geburtshilfe und Schwangerenbetreuung. Intensiv diskutiert wurden dabei die Umwälzungen der Pränataldiagnostik, die die Betreuung der Schwangeren stark verändern werden. Über die Schwangerschaft hinaus sehen sich Gynäkologen/-innen als Berater für alle Lebensphasen der Frau an.

Die Zahl der Frauen, die trotz einer Brustkrebserkrankung schwanger werden und ein Kind bekommen, nimmt in Deutschland stetig zu. Die gute Nachricht: „Frauen, die eine Mammakarzinom-Behandlung hinter sich haben, bereits zwei Jahre ohne Rezidiv sind und sich gesund fühlen, können aus gynäkologi- scher Sicht normalerweise ohne Probleme eine Schwangerschaft planen“, so Prof. Diethelm Wallwiener, Tübingen. Neuesten Studienergbnissen zufolge hat eine Gravidität weder einen positiven noch einen negativen Einfluss auf das Mammakarzinom. Problematischer ist die Situation, wenn die Erkrankung in der Schwangerschaft auftritt. Während eine Operation auch in dieser Zeit durchgeführt werden kann, ist eine Chemotherapie aufgrund der Toxizität vieler Regime meist nur sehr eingeschränkt möglich.

Pränataldiagnostik – Tatsachen überholen Diskussion

Zu den Chromosomenstörungen, die mit Hilfe von Gentests heute bereits ab der neunten SSW diagnostiziert werden können, gehören die Trisomien 21, 13 und 18 sowie Störungen der X- und Y-Chromosomen. 99% aller chromosomalen Störungen können so heute sehr früh aus einer mütterlichen Blutprobe bestimmt werden. Das Ergebnis liegt meist innerhalb von zwei Wochen vor. Trotz der anhal- tenden politisch-ethischen Diskussion sind diese Tests „gelebte Wirklichkeit“, so Dr. Werner Harlfinger, Mainz. Amniozentese und Chorionzottenbiopsie werden zwar nicht aus der Routinediagnostik verschwinden, aber ihr Stellenwert wird künftig geringer sein, so Harlfinger.

Frauenheilkunde im internationalen Vergleich

Dr. Christian Albring, Hannover, unterstrich den hohen Standard der Frauenheilkunde in Deutschland. So haben Frauen hierzulande unter anderem einen direkten, flächendeckenden und wohnortnahen Zugang zu niedergelassenen Gynäkologen/-innen ohne Umweg über die hausärztliche Praxis. In fast allen anderen Ländern ist der „General Practitioner“ der erste Ansprechpartner der Frauen, der wenn nötig an den Gynäkologen überweist. Vielfach erfolgt die Versorgung auch über Krankenschwestern und Hebammen. Während in Deutschland eine flächendeckende frauenärztliche Betreuung in der gesamten Schwangerschaft zur Verfügung steht, ist in vielen anderen Ländern ein Kontakt der Schwangeren mit einem Arzt für den ersten Ultraschall und einige Blutuntersuchungen erst in der 16. SWW vorgesehen. „Das System der fachärztlichen, niedrigschwelligen Versorgung in der Klinik und Praxis für alle Frauen ist ein Alleinstellungsmerkmal Deutschlands“, so Albring.

Wohlbefinden und Partnerschaft in den Wechseljahren

„Wenn eine Frau in den Wechseljahren mich um ärztliche Hilfe bittet, weil sie und ihr Partner keinen erfüllenden Sex mehr miteinander haben, finde ich sie oft am Ende einer langen Wegstrecke“, fasste Dr. Anneliese Schwenkhagen, Hamburg, ihre Erfahrungen mit der Problematik zusammen. In sehr vielen Fällen stecken Schwenkhagen zufolge hinter Problemen mit der Sexualität langjährige Störungen der Paarbeziehung. „Nur wenn ich sehe, dass die Beziehung eine Basis hat, ist es sinnvoll, weitere Puz- zlesteine zum Gesamtbild hinzuzufügen“, so Schwenkhagen.

Komplementärmedizin in die Therapie miteinbeziehen

Schulmedizin und alternative Therapiekonzepte werden in der Gynäkologie oft parallel und ohne Berührungspunkte nebeneinander angewendet. Aber insbesondere Patientinnen mit länger anhaltenden Erkrankungen bzw. Beschwerden fragen immer wieder nach zusätzlichen Therapieoptionen. Dipl.-Med. Ulrich Freitag, Wismar, hält deshalb eine gute Qualifikation von Gynäkologen/-innen in Sachen Komple- mentärmedizin für wichtig. Als Beispiel nannte Freitag Krebserkrankungen, bei denen die schulmedizinische Therapie unter Umständen mit Akupunktur, Mistelpräparaten oder Yoga unterstützt werden kann. „Wenn eine Patientin sich enttäuscht von ihren Ärzten abwendet und Hilfe in der Alternativmedizin sucht, dann ist der Schritt zum Abbruch der notwendigen schulmedizinischen Nachbe- treuung oft nicht mehr weit. Das verschlechtert die Gesamtsituation und auch das Überleben“, gab Freitag zu bedenken. MW

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