Wettlauf um den Corona-Impfstoff

Praxis-Depesche 4/2020

Große Hoffnung, hohe Hürden

In China begann die Forschung an einem potenziellen Impfstoff gegen das Coronavirus (SARS-CoV-2) bereits im Januar. Mittlerweile arbeiten Wissenschaftler rund um den Globus unter Hochdruck. Sie bedienen sich dabei unterschiedlichster Technologien – und stehen doch alle vor ähnlichen Schwierigkeiten.
Bereits kurz nach Ausbruch der Coronavirus-Pandemie hatte die internationale Non-Profit-Vereinigung „Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“ (CEPI) die Finanzierung mehrerer Projekte zur Impfstoff-Entwicklung angekündigt. Diese Vakzine sollen aber nicht wie herkömmliche Impfstoffansätze aus abgeschwächten oder inaktivierten Pathogenen bestehen. Die Herstellung soll unter Einsatz moderner Impfstoff-Technologien erfolgen. So arbeitet das US-amerikanische Unternehmen Inovio momentan an einem DNA-basierten Vakzin, die Biotech-Firma Moderna entwickelt einen Impfstoff auf mRNA-Basis. Die australische University of Queensland nutzt die „molecular clamp“-Technologie, bei der synthetische Viruspartikel mit Hilfe einer molekularen Klammer so in Form gebogen werden, dass sie vom Immunsystem des Wirts besser erkannt werden.
Neben zahlreichen anderen privaten und öffentlichen Institutionen hat sich auch das US NIAID Vaccine Research Centre (VRC) der Entwicklung eines SARS-CoV-2-Impfstoffs verschrieben, und auch aus China werden mehrere Impfstoffkandidaten erwartet. Laut der chinesischen Gesundheitskommission werden dort mindestens fünf verschiedene Technologien getestet: Ein Totimpfstoff, ein Subunit- Impfstoff, ein DNA- und ein Adenovirus-basierter Impfstoff sowie ein Impfstoff basierend auf rekombinanten Grippevektoren.
Trotz des technologischen Fortschritts macht die seit fast vierzig Jahren andauernde Suche nach einem HIV-Vakzin deutlich, dass die Impfstoff-Forschung noch immer keine exakte Wissenschaft ist. Auch ist die Dauer bis zur Entwicklung eines neuen Vakzins in den letzten Jahren gestiegen. Das liegt unter anderem an den zunehmend komplizierten Herstellungsprozessen, einem höheren Kostenaufwand und größeren Sicherheitsbedenken.
Eine weitere Herausforderung wird darin bestehen, die Produktion des fertigen Impfstoffs innerhalb kürzester Zeit und entsprechend den Grundsätzen der „Guten Herstellungspraxis“ (GMP) auf etwa zehn Millionen Dosen hochzufahren. Und werden die Produktions- und Zulassungsbedingungen eines Landes auch international akzeptiert? Oder sind letzten Endes politische und kommerzielle Erwägungen die größten Hürden einer zeitnahen Impfstoff-Entwicklung? RG
Quelle: Lu S : Timely development of vaccines against SARS-CoV-2. Emerg Microbes Infect 2020; 9(1): 542-44
ICD-Codes: U07.1
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