Mikrobiom und rCDI-Infektion

Naturmedizin 2/2020

Fäkaler Mikrobiota-Transfer

Zur Behandlung der rekurrenten Clostridioides-difficile-Infektion (rCDI) wird der Fäkale Mikrobiota-Transfer (FMT) mit steigender Tendenz gewählt. Aber noch nicht etabliert ist ein verbindlicher Standard zum Spenderscreening und zum methodischen Vorgehen. Da FMT mit potenziellen Gefahren verbunden sein kann, wäre dies aber sehr wichtig – dies betonten jetzt die Autoren einer aktuellen Übersichtsarbeit.
Die große Bedeutung des gastrointestinalen Mikrobioms wird sowohl in der Forschung als auch in der Therapie immer klarer. So hat sich FMT in Studien in der der Behandlung der rCDI als sehr effektiv herausgestellt und ist daher die Therapie der Wahl, auch bei Patienten mit Immundefizienz. Diese Ergebnisse sind aber nicht ohne Weiteres auf andere Erkrankungen, wie zum Beispiel die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen übertragbar. Die Autoren der Übersichtsarbeit weisen jetzt auf folgende Problematik hin: Im Rahmen von klinischen Studien wird die Qualität der Prüfpräparate durch Behörden reguliert und überwacht, aber im Rahmen von individuellen Therapien, ist der einzelne Arzt für die Herstellung eigenverantwortlich tätig. Hieraus können Nebenwirkungen und Komplikationen entstehen: Die US-amerikanische Food and Drug Administration hat 2019 eine Warnung zum Risiko von schwerwiegenden bakteriellen Infektionen nach FMT herausgegeben. Bei zwei Patienten kam es zur Übertragung ESBL-bildender E. coli mit invasiven bakteriellen Infektionen; einer der Patienten verstarb. Das Präparat war nicht auf multiresistente Erreger getestet worden. Die Autoren fordern daher ein umfangreiches Spenderscreening unter Einbeziehung klinischer und mikrobiologischer Untersuchungen sowie die Verwendung strukturierter Fragebögen. Die Verwendung tiefgefrorener, verkapselter Mikrobiota sei in der Therapie der rCDI genauso effektiv wie andere Anwendungsformen.
Quelle: Stallmach A et al.: Fecal microbiota transfer—reliable indications, donor screening and modes of application. 2020 Dtsch Arztebl Int; 117: 31–8. doi: 10.3238/arztebl.2020.0031
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