Erste Prognosen zu SARS-CoV-2

Praxis-Depesche 3/2020

Experten fordern „drastische“ Maßnahmen

Laut einer Computersimulation hatten sich in der chinesischen Stadt Wuhan am 25. Januar bereits über 75.000 Menschen mit dem neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert – deutlich mehr als es die bestätigten Fälle vermuten lassen. Ohne strenge Gesundheitsinterventionen könnte die Epidemie Mitte des Jahres ihren Höhepunkt erreichen.
Die in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlichten Hochrechnungen basieren auf den bestätigten Fällen, die bis zum 19. Januar außerhalb von China aufgetreten waren. Die Experten gehen davon aus, dass das Virus am 25. Januar bereits weitere chinesische Städte erreicht hatte: Schätzungen zufolge waren es 461 Infektionen in Chongqing, 113 in Peking, 98 in Shanghai, 111 in Guangzhou und 80 in Shenzhen. Grundlage für diese Berechnungen bildeten unter anderem die aus dem Official Airline Guide entnommenen Fluggastbewegungen am Flughafen Wuhan. Ohne eine Senkung der Übertragungsrate um mindestens 25 %, besser noch 50 %, würde die Epidemie in Wuhan im April 2020 ihren Höhepunkt erreichen, weitere chinesische Städte würden mit einer Verzögerung von ein bis zwei Wochen folgen. Potenzielle räumliche oder zeitliche Variationen der Übertragungsrate wurden jedoch nicht mit einberechnet.
Eine Eindämmung des Virus wäre nur noch durch „drastische“ Maßnahmen möglich, so die Epidemiologen. Als Maßnahmen schlagen sie unter anderem das Verbot von Massenversammlungen, Schulschließungen und vermehrtes Arbeiten von Zuhause aus vor. RG
Quelle: Wu JT et al.: Nowcasting and forecasting the potential domestic and international spread of the 2019-nCoV outbreak originating in Wuhan, China: a modelling study. Lancet 2020; Epub Jan 31; doi: 10.1016/S0140-6736(20)30260-9
ICD-Codes: B34.2
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