Selbst hergestelltes Johanniskrautöl | Naturmedizin 4/2018

Ethnobotanisches Ölmazerat mit Potenzial

In der Volksmedizin im Kosovo ist selbst hergestelltes Johanniskrautöl fester Bestandteil, u. a. zur Wund- und Geschwürbehandlung. Aber auch in anderen Teilen Europas gehört es zum ethnobotanischen Erbe. Es wird Zeit, dieses wertvolle Wissen zu nutzen.
Denn Ölmazerate aus den Blüten von Hypericum perforatum L. wirken nachweislich antimikrobiell. Oleum Hyperici kann Wundgröße und Heilungszeit reduzieren. Schon viele Jahre wird Johanniskrautöl beforscht, übersetzt in standardisierte Behandlungsformen bei Hautkrankheiten wird das Wissen jedoch nur schleppend.
Getestet wurden nun von amerikanischen Wissenschaftlern die im Kosovo traditionell hergestellten Johanniskrautöle zum Eigengebrauch. Hierzu werden getrocknete Blüten in ein Glasbehältnis gefüllt und mit Pflanzenöl (Olivenöl, Sonnenblumenöl u. a.) aufgegossen. Abschließend wird das Behältnis verschlossen und für 40 Tage an einen sonnigen Platz gestellt. Zum Vergleich stellten die Wissenschaftler noch andere Zubereitungen aus standardisierten Präparaten und einen Wasserextrakt her. Sie wollten wissen, ob Inhaltsstoffe wie Hyperforin und Hypericin in dem traditionellen Öl überhaupt vorhanden sein können, denn eine andere Studie hatte dies verneint. Allerdings wurde das dafür verwendete Öl nur 15 statt 40 Tage ziehen gelassen.
Es zeigte sich: In den Kosovo-Ölen fehlte das phototoxische Hypericin, das auch für die antibakterielle Bioaktivität verantwortliche Hyperforin war jedoch vorhanden. Dies ist insofern erstaunlich, dass Hyperforin licht- und wärmeempfindlich ist. Auch nachweisbar war, dass die selbst hergestellten Johanniskrautöle die Biofilmbildung von Stapyhlococcus aureus hemmen konnten. Um noch effektivere, standardisierte Arzneien zu entwickeln, sollten weitere Studien durchgeführt werden.
Quelle: Lyles JT et al.: The chemical and antibacterial evaluation of st. john´s wort oil macerates used in kosovar traditional medicine. Front. Microb. 2017, 8:1639

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