Teebaumöl, Lactoferrin und Chitosan | Naturmedizin 1/2018

Drei natürliche Antimykotika

Einige Spezies aus der Gattung Candida zeigen eine hohe Resistenzrate gegen antimykotische Wirkstoffe. Auf der Suche nach Alternativen empfehlen sich besonders drei mittlerweile mehrfach erforschte Wirkstoffe als sinnvolle Option in der Behandlung von Infektionen mit Candida spp.
Pilzinfektionen sind für viele Todesfälle auf der ganzen Welt verantwortlich und tragen zu erheblichen Ausgaben für die öffentliche Gesundheit bei. Durch den medizinischen Fortschritt leben immer mehr immunsupprimierte Menschen immer länger (z. B. organtransplantierte, HIV-infizierte, dauerkatheterisierte und sehr alte Menschen). Doch sind sie dadurch auch besonders häufig von Candidainfektionen betroffen. Parallel dazu nimmt die Resistenzbildung von Candida spp. zu – einige resistente Stämme sind C. albicans, C. glabatra, C. rusei und C. auris. Die antimykotische Therapie mit herkömmlichen Arzneimitteln geht mit unerwünschten und teils schweren Nebenwirkungen wie Nierenschäden (insbesondere bei Amphotericin-Gabe), Übelkeit, Erbrechen und Magenschmerzen einher – für Betroffene eine nicht unerhebliche Belastung.
 
Neue Behandlungsstrategien müssen entwickelt werden
 
Eine aktuelle Übersichtsarbeit von Felipe et al. zeigt: Vielversprechende Alternativen sind ätherische Öle von Melaleuca alternifolia (Australischer Teebaum), Lactoferrin (ein aus Milch isoliertes Peptid) und Chitosan (ein Copolymer aus Chitin). Sie haben großes Potenzial, die Wirksamkeit von antimykotischen Therapien zu erhöhen, Nebenwirkungen zu mildern und eine breite Palette von Wirkstoffen für die alternative antimykotische Therapie bereitzustellen.
 
Melaleuca alternifolia
 
Der Australische Teebaum (Melaleuca alternifolia) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Heimisch ist der Teebaum in Südamerika, Westindien und Australien. Das aus den Blättern gewonnene Teebaumöl ist eine komplexe Mischung aus Monoterpenen, Terpenoiden und etwa 100 anderen Substanzen, wovon Terpinen-4-ol einen Hauptwirkstoff darstellt. Teebaumöl hat u. a. antibakterielle, antivirale und antimykotische Wirkungen. Terpene aus Teebaumöl verändern die Membranpermeabilität des Pathogens und verursachen in ihm eine Abnahme der ATP-Bildung und nachfolgende zelluläre Lyse.
Zur Behandlung von Stomatitis, die durch Zahnprothesen verursacht wird – ein wiederkehrendes Problem bei älteren Menschen –, ist der Einsatz von Teebaumöl eine vielversprechende Therapiemöglichkeit. Mehrere Studien bewiesen, dass die Behandlung mit Teebaumöl die Wundflächen verringert und koloniebildende Candidaeinheiten reduziert werden können. Einen synergistischen Effekt mit Nystatin zeigte Teebaumöl auch gegen C. albicans, C. krusei und C. tropicalis.
In einer Untersuchung von 2015 ging es um die Entwicklung eines Vaginalzäpfchens für die vulvovaginale Candidabehandlung. Candidastämme wurden von Patientinnen mit Vaginitis isoliert. Hier zeigte das Teebaumöl eine überzeugende Wirkung gegen verschiedene Candidaarten.
Die Autoren der Übersichtsarbeit stellen aber fest, dass es noch eine zu große Lücke an belastbaren Studien gibt. Diese sollten unbedingt bald geschlossen werden, denn Teebaumöl ist eine wichtige alternative Behandlungsoption gegen Candidiasis.
 
Lactoferrin
 
Lactoferrin (Lactotransferrin, LF) ist ein antimikrobielles Peptid (AMP), das 1939 erstmals in Kuhmilch und 1960 in menschlicher Muttermilch identifiziert wurde. Der vollständige Name „Lactotransferrin“ ist zusammengesetzt aus lat. lacteus „Milch“, transferre („hinübertragen“) und ferrum („Eisen“). So geht aus dem Namen schon der Wirkmechanismus von Lactoferrin hervor: Als Bestandteil des angeborenen Immunsystems bindet es für die Pathogene essenzielles Eisen. Das Peptid ist wirksam gegen Pilze, Parasiten, Bakterien und Viren und findet sich nicht nur in Milch, sondern auch in der Dermis, in neutrophilen Granulozyten und in Tränenflüssigkeit, Speichel, Vaginalschleim und Samenplasma.
In mehreren Studien wurde Lactoferrin auf seine antimykotischen Wirkungen untersucht.
So zeigten Venkatesh und Rong (2008), dass menschlich rekombinantes Lactoferrin (Talactoferrin, TLF) mit Fluconazol und/oder mit Amphotericin-B einen synergistischen Effekt gegen drei Candidastämme aufwies. Und zwar auch bei zwei Stämmen, die von Neugeborenen mit diagnostizierter Septikämie stammten, verursacht durch C. albicans. 2009 legten sie dann eine Studie nach, die gegen die Biofilmbildung von C. albicans einen synergistischen Effekt von TLF in Kombination mit Aphotericin- B und Fluconazol bewies. Die Candidabiofilmbildung ist besonders auf Intensivstationen ein schwerwiegendes Problem.
Andere Studien konzentrierten sich auf die Wechselwirkung von Lactoferrin mit Fluconazol und zeigten, dass LF wahrscheinlich mit der Zellwand des Mikroorganismus interagiert, wodurch dessen Permeabilität erhöht und dadurch die Geschwindigkeit des Eindringens von Wirkstoff in die Zelle erhöht wird. Zu einem im Labor synthetisierten Lactoferrin, bekannt als Peptid 2, liegen mehrere Tierversuche mit vielversprechenden Ergebnissen vor. Wurden Antimykotika mit Peptid 2 kombiniert, lebten die mit Candida infizierten Mäuse signifikant länger als die Tiere, die kein Peptid 2 zusätzlich erhielten.
 
Chitosan
 
Chitin ist ein natürliches Polymer. Nach Cellulose ist es das am häufigsten in der Natur verbreitete Polysaccharid. Es hat strukturelle und schützende Funktionen und wird hauptsächlich in Arthropoden, den Schalen von Garnelen, Insekten und den Zellwänden einiger Pilze gefunden. Chitosan, ein kationisches Copolymer (Biopolymer), leitet sich aus Chitin ab.
Chitosan ist nicht toxisch, biokompatibel, biologisch abbaubar und bioaktiv, mit chelatisierender Kapazität und selektiver Permeabilitiät – und es hat antimikrobielle Eigenschaften.
Ein Chitosangel für die vulvovaginale Candidiasisbehandlung wurde 2014 getestet. In Kombination mit zwei antimykotischen Wirkstoffen (Miconazolnitrat und Econazolnitrat) zeigte das Gel bessere Wirksamkeit als die beiden Antimykotika allein.
In einem Mausversuch (2015) zeigte sich, dass Chitosan oxidativen Stress und Lungenwunden, ausgelöst durch systemische Candidiasis, abschwächen kann.
Auch in der Behandlung der mykotischen Keratitis könnte Chitosan hilfreich sein. Chitosan in Kombination mit Amphotericin-B wirkte besser als Amphotericin-B allein.
Therapien mit Teebaumöl, Lactoferrin und Chitosan allein oder in Kombination mit gängigen Antimykotika sind vielversprechende Behandlungsstrategien gegen Pilzinfektionen, vor allem solcher mit Candida ssp. Synthetische hergestellte und natürlich gewonnene Wirkstoffe könnten aber auch in Kombination verwendet werden, um ihre Aktivität durch Synergismus zu verbessern und das Problem der mikrobiellen Mehrfachresistenz mithilfe natürlicher Substanzen zu überwinden.
Quelle: Felipe LO et al.: Lactoferrin, chitosan and melaleuca alternifolia – natural products that show promise in candidiasis treatment. Braz J Microbol 2017; http:// dx.doi.org/10.1016/j.bjm.2017.05.008

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