Triphala | Naturmedizin 1/2018

Drei Früchte für die Gesundheit

Seit über tausend Jahren setzt die traditionelle indische Medizin das Kräftigungsmittel Triphala zur Darmreinigung, Verdauungsförderung, Mundpflege und Entwässerung ein. Doch werden dem Rasayana noch viele weitere Wirkungen zugesprochen. Ein Forscherteam aus den USA hat nun die vorhandene Literatur über den therapeutischen Einsatz und die Wirksamkeit des ayurvedischen Nahrungsergänzungsmittels überprüft und zusammengefasst.
Triphala erfreut sich im Ayurveda großer Beliebtheit, es gilt als hochwirksam bei gastrointestinalen Beschwerden und soll einen verjüngenden Effekt haben. In historischen Texten wird es als Allheilmittel verehrt. Verschiedene Untersuchungen geben Hinweise darauf, dass Triphala antiphlogistisch, immunmodulierend, antimikrobiell, antimutagen, antineoplastisch, chemoprotektiv und antioxidativ wirken könnte. Die Polyphenole der Mischung scheinen auch auf das Darmmikrobiom positive Effekte zu haben.
 
Traditionelle Anwendung
 
Triphala wird aus den getrockneten Früchten der Pflanzen Emblica officinalis (Phyllanthus emblica, Amalaki, Amlabaum), Terminalia belerica (Bibhitaki) und Terminalia cheblua (Haritaki) hergestellt.
Die Mischung findet Erwähnung im Charaka Samhita und Sushruta Samhita, zwei grundlegenden Schriften des Ayurveda. Der große Arzt Charak empfahl die tägliche Einnahme des Triphala Rasayana (Triphala mit Honig und Ghee) und schrieb dem Mittel das Potenzial zu, einen Menschen frei von Krankheiten und Alterserscheinungen 100 Jahre alt werden zu lassen. Sushrut gab an, dass die Formel zur Behandlung von Geschwüren und Wunden nützlich sei.
 
Ayurvedische Klassifikation
 
Die Energetik von Triphala ist für alle Typen geeignet. Als tridoshisches Rasayana stärkt es Vata, Pitta und Kapha-Typen. Aufgrund seiner tonisierenden und immunstärkenden Wirkung wird es für sehr junge, schwache und ältere Menschen empfohlen. Eine andere ayurvedische Klassifikation beschreibt die Formel als mildes Abführmittel bei normaler Dosis, als Darmstärkungsmittel bei niedriger Dosis und als Karminativum, Schleim- und Krampflöser sowie Bronchodilatator.
Dravya guna, die ayurvedische Phytotherapie, beschreibt den Geschmack im Mund (rasa) von Triphala als süß, sauer, scharf, bitter und adstringierend. Nur der Geschmack salzig ist nicht enthalten. Die thermische Potenz (virya) ist neutral, und der Geschmack nach dem Verdauungsprozess ist süß. Triphala wirkt auf alle Doshas und Konstitutionen ausgleichend. Die Qualitäten (gunas) von Amalaki sind schwer und trocken, Haritaki und Bibhitaki gelten als leicht und trocken.
 
Pharmakologie
 
Die Hauptbestandteile von Triphala sind Tannine, Gallussäure, Ellagsäure und Chebulinsäure – Antioxidantien, die zumindest teilweise für die beobachtete immunmodulatorische Wirkung verantwortlich sind. Auch enthalten sind bioaktive Verbindungen wie Flavonoide (z. B. Luteolin, Quercetin), Aminosäuren, Saponine, Anthrachinone, Fettsäuren, Vitamin C und verschiedene Kohlenhydrate.
Die menschliche Darmmikrobiota wandelt Polyphenole wie die Chebulinsäure in bioaktive Metaboliten um, die in vitro ein Potenzial zur Verhinderung oxidativer Schäden gezeigt haben.
 
Variable Wirksamkeit
 
Die Wirksamkeit von Kräutertherapien kann aufgrund der Unterschiede in Herkunft, Verarbeitung, Bioverfügbarkeit, Verdauung und Absorption der Pflanzenwirkstoffe sehr unterschiedlich sein. In der Verarbeitung von Pflanzenrohstoffen und dem Bestreben nach besserer Bioverfügbarkeit hat es in den letzten Jahren deutliche Verbesserungen gegeben. Doch die Darmmikrobiota eines jeden Menschen ist unterschiedlich, und somit sind es auch Absorption und Bioaktivität der Wirkstoffe. Diese Antwortvariabilität ist aber nicht allein auf Heilkräuter beschränkt, sondern betrifft vielmehr alle gesundheitsfördernden Zubereitungen.
 
Gastrointestinaltrakt
 
Das Hauptgebiet der Anwendung von Triphala ist der Magen-Darm- Trakt. Sowohl wässrige als auch alkoholbasierte Extrakte von Triphala waren in tierexperimentellen Studien in der Lage, Durchfall zu verhindern. Auch entfaltet es enteroprotektive Wirkungen, die zumindest teilweise auf den hohen Gehalt an Antioxidantien zurückzuführen sind. Bei Ratten mit stressinduziertem Ulkus übte Triphala eine gas- troprotektive Wirkung aus. In einem anderen Versuch an Ratten füllte es verbrauchtes Protein in den Darmzotten des Bürstensaums sowie die Glutathion- und Phospholipidspiegel wieder auf. Im Mausmodell führte es zur Besserung einer Colitis, die Effekte wurden den enthaltenen Antioxidantien und Flavonoiden zugeschrieben.
Eine klinische Studie am Menschen untersuchte die Anwendung der Arznei bei Patienten mit gastrointestinalen Störungen. Die Ergebnisse: Triphala reduzierte Verstopfung, Schleimstühle, Bauchschmerzen, Übersäuerung und verbesserte den Stuhlgang in Konsistenz und Häufigkeit.
 
Darmmikrobiom
 
Phytochemikalien in Triphala (z. B. Quercetin und Gallussäure) fördern das Wachstum von nützlichen Darmmikroben wie Lactobacillen und Bifidobakterien. Auf der anderen Seite hemmen Sie das Wachstum pathogener E coli. Die intestinale Mikrobiota wandelt Polyphenole aus Triphala in Metaboliten um, die antioxidativ wirken. Hier sind weitere Studien erforderlich, um den Effekt von Triphala auf das Darm-Mikrobiom vollständig zu verstehen und auch um herauszufinden, ob bestimmte Probiotika die Wirksamkeit von Triphala verstärken könnten.
 
Adipositas und Diabetes
 
In einigen Studien konnte das Potenzial von Triphala als therapeutisches Mittel zur Gewichtsreduktion und zur Reduzierung von Körperfett aufgezeigt werden.
In einer zwölfwöchigen, doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Studie verloren die mit Triphala behandelten Personen im Durchschnitt fünf Kilogramm Gewicht mehr als die Personen der Kontrollgruppe. Auch die Werte des Nüchternblutglucosespiegels und Nüchternseruminsulinspiegels reduzierten sich im Vergleich zur Kontrollgruppe.
In einer Tierstudie wurde fettleibigen Mäusen zehn Wochen Triphala verabreicht. Hier verringerten sich Körperfett und Körpergewicht sowie das Gesamtcholesterin und die Triglyceridwerte bei den behandelten Nagern.
Frühere Studien berichten, dass Triphala eine ähnliche Wirkung wie diabetische Arzneimittel haben könnte, indem es die Verdauungsenzyme hemmt und die Absorption von Glukose durch Hemmung glykolytischer Enzyme verringert. In einem Versuch mit Ratten hemmte Triphala Stärkeverdauung und -absorption.
In einer klinischen Studie mit nicht insulinabhängigen Diabetes-mellitus- Patienten senkte eine 45-tägige Einnahme von 5 g Triphalapulver täglich den Blutzucker der Probanden signifikant. Bestimmte Polyphenole in Triphala können das Insulinansprechverhalten und die Glukoseaufnahme erhöhen, und so Blutzucker- und Insulinwerte auch bei diabetischen Patienten verbessern.
Für Diabetiker haben die in der Formulierung enthaltenen Tannine vielleicht sogar einen schützenden Effekt – in vitro hemmen sie die Proteinglykation, die zu den typischen diabetischen Nervenschäden und Blindheit führen kann.
 
Kardiovaskuläre Gesundheit
 
Zur Wirkung von Triphala auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen fanden die Autoren nur Versuche mit Ratten. In einer Studie reduzierte Triphala das Gesamtcholesterin, LDL, VLDL und freie Fettsäuren bei Tieren, die vorab für 48 Tage eine atherogene Ernährung bekamen. In einer weiteren Rattenstudie rief es eine Senkung des Gesamtcholesterins und der Triglyceride hervor. Verantwortlich für den blutfettsenkenden Effekt war wohl vor allem Haritaki. Die Autoren der Übersichtsarbeit empfehlen weitere Studien auf diesem Gebiet, weil Triphala eine wirksame Arznei zur begleitenden Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein könnte.
 
Antiphlogistische Wirkung
 
Auch die entzündungshemmende Wirkung von Triphala sollte genauer untersucht werden, denn die vorhandenen Ergebnisse aus Tierversuchen sind vielversprechend.
In einer Studie erzielte Triphala eine bessere oder gleichwertige Wirkung im Vergleich zur Standardmedikamentbehandlung bei einer Vielzahl von biochemischen Entzündungsmessungen. Darüber hinaus reduzierte Triphala signifikant die Entzündungsmarker sowie den Knochen- und Knorpelabbau bei arthritischen Ratten. Es verminderte die Expression von Entzündungsmediatoren. Auch gibt es Hinweise darauf, dass Triphala nephrotoxische Wirkungen verringern kann.
 
Antimikrobielles Potenzial
 
Die zunehmende Resistenzbildung stellt die Medizin vor große Herausforderungen. Zum antimikrobiellen Potenzial von Triphala liegen schon Human- und In-vitro-Studien vor. Bislang wurde festgestellt, dass wässrige- und Ethanolextrakte aus Triphala eine antimikrobielle Breitbandwirkung ausüben – und zwar gegen antibiotikaresistente Bakterien, die von menschlichen Probanden isoliert wurden. Die wässrigen Extrakte (1:6) haben im Vergleich zu Ethanolextrakten (1:6) auf pathogene Bakterien wie Escherichia coli und Staphylococcus aureus größere Wirksamkeit gezeigt. In vitro zeigten Ethanolextrakte von Triphala eine spezifische antimi- krobielle Aktivität gegen multiresistente bakterielle Isolate. Es wurde berichtet, dass Triphala in vitro sowohl antibakterielle Wirkungen auf grampositive als auch gramnegative Spezies ausübt.
Eine andere Studie untersuchte die Wirkungen von wässrigem Triphalaextrakt (200 mg/ml) gegen enterische bakterielle Pathogene in vitro und fand heraus, dass es starke antibakterielle Wirkungen gegen Staphylococcus epidermidis und Staphylococus aureus und moderate Wirkungen gegen Proteus vulgaris, Pseudomonas aeruginosa und Salmonella typhi besitzt.
Auch eine antimykotische Wirkung gegen Aspergillus-Arten wurde festgestellt. Der wässrige Extrakt aus frischen Früchten erwies sich hier wirksamer als der aus trockenen Früchten.
Die Autoren sehen in Triphala eine vielversprechende antimikrobielle Arznei, und empfehlen weitere Studien auf dem Gebiet.
 
Mundpflege und Zahngesundheit
 
In der ayurvedischen Medizin wird Triphala traditionell als antimikrobielles Mund- und Zahnpflegemittel eingesetzt. Hier liegen zahlreiche klinische Studien vor, die zeigen, dass Triphala in der Lage ist, Zahnbelag und oralpathogene Bakterien signifikant zu reduzieren und Gingivitis deutlich zu verbessern.
Ein Beispiel: Triphala wirkt gegen Enterococcus faecalis, ein schwer zu eliminierendes orales Pathogen, das häufig bei chronischer Parodontitis isoliert wird. Auch andere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Triphala eine nebenwirkungsarme Therapie zur Eliminierung von E. faecalis sein könnte.
In einer Studie mit Kindern wurde Triphalamundwasser mit Chlorhexidinmundwasser verglichen. Beide Mundwässer reduzierten Plaque in gleichem Maße, Triphala reduzierte aber mehr pathogene Keime als Chlorhexidin. Zu einem vergleichbaren Ergebnis gelangte eine weitere Studie mit jungen Erwachsenen. Bei jungen Rauchern können Triphalamundspülungen außerdem präkanzerose orale Läsionen reduzieren.
 
Stressreduktion
 
Stress, das Leiden unserer Zeit, gilt als einer der Hauptauslöser vieler Erkrankungen. Die antioxidativen Eigenschaften von Triphala könnten hier einen therapeutischen Ansatz darstellen. Bisher wurden einige Tierstudien dazu durchgeführt. Die Erkenntnisse daraus: Triphala schützte vor kälteinduziertem Stress und kehrte stressinduzierte Verhaltensänderungen um. Noch etwas zeigte dieser Versuch: Triphala konnte erhöhte Corticosteronspiegel senken.
 
Antineoplastische Aktivität
 
Mehrere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Triphala eine antineoplastische Wirkung auf einige Krebszelllinien ausübt, u. a. auf die von Brust, Prostata und Pankreas. Es scheint eine differenzielle modulatorische Wirkung auf normale- und Krebszelllinien zu haben. Im Mausversuch deutete sich an, dass eine durch Triphala ausgelöste Apoptoseinduktion möglicherweise das Tumorwachstum reduzieren kann. Präklinische Studien mit In-vitro- und In-vivo-Modellen zeigen, dass Triphala das Krebswachstum sowohl in Zell- als auch In-vivo- Modellen hemmt.
T-Zellen und NK-Zellen werden bei gesunden Menschen durch die Einnahme von Triphalapulver im Vergleich zur Kontrollgruppe erhöht, berichtet eine andere klinische Studie. Die Autoren empfehlen weitere Untersuchungen, denn Triphala könnte Potenzial als Zusatztherapie bei Dickdarmkrebs und eventuell auch bei anderen Krebsarten haben.
Auch mögliche radioprotektive Effekte müssten weiter beforscht werden. Triphala ist in der Lage, DNA-Schäden vorzubeugen und rückgängig zu machen – was bisher allerdings nur in Tierversuchen und in vitro nachgewiesen wurde.
 
Augengesundheit
 
Durch seine antioxidativen Wirkungen hat Triphala das Potenzial, die Augengesundheit positiv zu beeinflussen. Dies zeigt eine Studie an Mäusen mit Triphala als Vorbehandlung bei Selenit-Katarakt: Triphala stellte den Glutathionspiegel in den Augenlinsen wieder her und erhöhte die Aktivitäten von verschiedenen antioxidativen Enzymen. Während 100 % der Mäuse der Kontrollgruppe Katarakte entwickelten, waren es in der Triphalagruppe nur 20 %.
 
Anti-Aging
 
Die Ayurvedatradition scheint nicht geirrt zu haben: Triphala übt eine vor Alterung schützende Wirkung auf die Haut aus. Eine Untersuchung, veröffentlicht 2016 in PLoS One, zeigt potenzielle dermale Anti- Aging-Effekte von Triphala auf. Es ist in der Lage, Kollagen und Elastin zu stimulieren und zelluläre Antioxidantien zu erhöhen. Auch vermindert es Hyperpigmentierung.
 
Schlussfolgerungen
 
Das Autorenteam von Christine Tara Peterson (UC San Diego School of Medicine) kommt zu dem Schluss: Triphala ist eine leistungsstarke Rezeptur mit vielen wirksamen therapeutischen Anwendungen zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten. Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben schon über die Anwendung von Triphala berichtet. Zur weiteren Erforschung sollten mehr Mittel bereitgestellt werden, um Humanstudien voranzutreiben und Triphala mehr Patienten zugänglich zu machen.
Quelle: Peterson C T et al.: Therapeutic uses ... JACM 2017; 23(8): 607-14

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