Familiäres Darmkrebsrisiko | Naturmedizin 6/2019

Die Rolle der Gene wird überschätzt

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in einer aktuellen epidemiologischen Studie. Vermutlich wiegen andere Risikofaktoren wie etwa familiäre Ernährungsgewohnheiten schwerer als bislang angenommen. Das hat Konsequenzen für künftige Berechnungen des individuellen Risikos sowie auch für Empfehlungen, die daraus resultieren.
Wissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass die Erkrankung zu 35 % erblich bedingt ist. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählt eine familiäre Vorbelastung. Zudem haben Forschende in den letzten Jahren rund 100 winzige Genvariationen identifiziert, die in der Bevölkerung weitverbreitet sind (Einzelnukleotid-Polymorphismen, Single nucleodid polymorphisms, SNPs) und die das Risiko für Darmkrebs beeinflussen. Aktuelle Ergebnisse von DKFZ-Wissenschaftlern legen nun aber nahe, dass diese SNPs einen deutlich geringeren Anteil des familiär erhöhten Darmkrebsrisikos erklären als bisher angenommen. Das Team wertete die Daten von 7.927 Probanden einer Fall-Kontroll- Studie aus – darunter 4.447 Patienten mit Darmkrebs und 3.480 gesunde Personen, die als Kontrollgruppe dienten. „Wir haben eine neue Berechnungsmethode restrikentwickelt, die nicht von vornherein von der Grundannahme ausgeht, dass das familiäre Risiko komplett durch die Genetik bedingt ist“, erklärt Studienleiter Hermann Brenner. Mit dieser Methode werteten die Forscher die Daten ihrer Probanden aus. Tatsächlich war der Einfluss der SNPs nach dieser Methode wesentlich geringer als angenommen. Während bisherige Berechnungen den bislang bekannten Genvarianten einen Anteil von 9,6 bis 23,1 % am familiär erhöhten Darmkrebsrisiko zusprachen, resultieren die neuen Berechnungen in einem geschätzten Einfluss der SNPs, der zwischen 5,4 und 14,3 % liegt. Andere Risikofaktoren sollten zur realistischen Einschätzung vermehrt berücksichtigt werden.

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