Fitness für das Immunsystem

Naturmedizin 5/2021

Der Darm – die Basis einer starken Immunabwehr

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, sind Booster für das Immunsystem wieder sehr gefragt, um gesund durch Herbst und Winter zu kommen. Probiotika, Vitamine, Spurenelemente und Omega-3-Fettsäuren können gemeinsam mit Phytotherapeutika unterschiedliche Beiträge zu einer effektiven Immunabwehr leisten und ein starkes Team bilden, wenn sich der nächste Infekt ausbreitet.
Obwohl er sich im Inneren des Organismus befindet, ist der Darm die letzte Bastion an der Körperoberfläche, die verhindern kann, dass Erreger oder Schadstoffe in den Körper gelangen. Ein gesunder Darm mit einer optimal zusammengesetzten Darmflora ist daher die Basis einer leistungsstarken Immunabwehr. Während Enterokokken hier die humorale Abwehr (BZellen) unterstützen und zur Steigerung der schleimhäutständigen Antikörper (sIgA) sowohl im Darm als auch in den Atemwegen oder in der Blase beitragen, leistet Escherischia coli einen wichtigen Beitrag zum Training der zellulären Abwehr (T-Zellen). Der Keim induziert zudem die Bildung von antimikrobiell wirksamen Peptiden (β- Defensine) und stabilisiert die Mastzellen. Milchsäurebakterien, die Laktobazillen und Bifidobakterien, hemmen schließlich pathogene Mikroorganismen, indem sie Wasserstoffperoxid (H2O2) und Bakteriozine bilden. Zudem versorgen sie den Darm mit kurzkettigen Fettsäuren, welche für die Barrierefunktion an der Schleimhautoberfläche unverzichtbar sind. [1]
Stress, Ernährungsfehler, die Einnahme von Medikamenten und Erkrankungen sind mögliche Gründe, dafür, dass das natürliche Gleichgewicht des intestinalen Mikrobioms gestört sein kann. Daher ist es empfehlenswert, die Abwehrfront im Darm durch eine Kur mit Laktobazillen und Bifidobakterien (z. B. BactoFlor®, Omnibiotic 6®, SymbioLact comp®), Enterococcus faecalis (Symbioflor 1®) und E. coli (z. B. Mutaflor®, Symbioflor 2®) ab Herbst über einen Zeitraum von 3–6 Monaten aufzubauen. Sie tragen nicht nur zu einer starken Immunabwehr bei, sie sorgen auch für eine gesunde Darmschleimhaut, die Mikronährstoffe gut aufnehmen kann. In Belastungssituationen können Probiotika regelmäßig verabreicht werden, damit das Mikrobiom nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. [1]
 
Vitamine – unverzichtbar im Kampf gegen Erreger
Zusätzlich ist eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen unerlässlich. Hierzu gehören vor allem die Vitamine A, C (Ascorbinsäure) und D sowie Zink und Selen. Vitamin C unterstützt die Lymphozyten und stimuliert die Bildung von Interferon und Antikörpern. So unterstützt es die Immunabwehr in ihrem ständigen Kampf gegen Viren und Bakterien. Darüber hinaus wirkt es unter anderem antioxidativ, fördert die Wundheilung und trägt zum Aufbau und Erhalt der Knochen, des Zahnfleischs und der Zähne bei. Allerdings kann Ascorbinsäure die Schleimhäute reizen. Besser verträglich ist dann das Calciumsalz der Säure, das Calciumascorbat, da die Ascorbinsäure hier durch Calcium gepuffert ist (z. B. Pure Encapsulations® Vitamin C gepuffert). Als Ester-C® ist Vitamin C nicht nur an Calcium sondern auch an L-Threonat, einem Stoffwechselprodukt von Vitamin C, gebunden und ebenfalls besser verträglich. Sinnvoll kann im Einzelfall aber auch eine Kombination von Vitamin C mit den ebenfalls antioxidativ wirkenden Bioflavonoiden sein, die nicht nur das Wachstum von Viren, Bakterien und Pilzen hemmen, sondern auch durchblutungsfördernd wirken und die Wände der Kapillaren abdichten (z. B. Vitamin C+ Bioflavonoide Dr. Wolz oder Pure Encapsulations® Acerola/Flavonoid). [2, 3]
 
Die Schlüsselrolle der fettlöslichen Vitamine
Obwohl der Organismus das Sonnenvitamin D selbst herstellen kann, ist die Versorgung der Bevölkerung hierzulande meist unzureichend. Bekannt ist seine Schlüsselrolle im Rahmen der Osteoporoseprophylaxe, doch es stimuliert darüber hinaus auch die Phagozytose und die Bildung antiinflammatorischer Zytokine, während es die Ausschüttung proinflammatorischer Zytokine hemmt. Dabei unterstützt es sowohl die angeborene als auch die erworbene Immunabwehr. Außerdem wirkt es antikanzerogen. Menschen, die zu wenig Zeit in der Sonne verbringen, wie ältere Schüler:innen, ein großer Teil der arbeitenden Bevölkerung und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen, aber auch Menschen mit dunkler Hautfarbe, Veganer:innen, Senior: innen und chronisch Erkrankte haben ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-D-Mangel. Viele Autor:innen empfehlen Vitamin D-Werte zwischen 30–40 und 50–60 ng/ml Blut. Um einem Vitamin-D-Mangel vorzubeugen, müsste man je nach Hauttyp von Frühjahr bis Herbst mindestens 3-mal pro Woche zwischen 11 und 16 Uhr 18–20 % der Körperoberfläche – beispielsweise Gesicht, Arme und Beine – für 15–20 Minuten ohne Sonnenschutz der Sonne aussetzen. Doch so ein ungeschütztes Sonnenbad kann das Risiko für ein Basaliom oder ein Plattenepithelkarzinom erhöhen, weshalb Dermatologen hiervor ausdrücklich warnen. Deshalb ist es insbesondere bei einem nachgewiesenen Mangel sinnvoll, Vitamin D zuzuführen. Da es fettlöslich ist, sollte es zu einer fettreichen Mahlzeit als ölige Lösung in Tropfenform eingenommen werden (z. B. Dekristolvit® D3, Dr. Jacob‘s Vitamin D3, Pure Encapsulations® Vitamin D3 liquid). Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor der regelmäßigen Einnahme von mehr als 4.000 IE pro Tag. [2–6] Mindestens 25 % der Deutschen können zudem ihren Bedarf an Vitamin A (Retinol) nicht über die Ernährung decken. Grund ist unter anderem ein Genpolymorphismus, der dazu führt, dass ein Teil der Europäer das Pro-Vitamin A, Betacarotin, nur unzureichend in Vitamin A umwandeln kann. Risikogruppen für eine unzureichende Versorgung mit Vitamin-A sind vor allem Kleinkinder, Schwangere, Stillende, Senior: innen und Patient:innen mit einem erhöhten Bedarf – mit Auswirkungen auf die Immunabwehr der Betroffenen. Denn Vitamin A aktiviert unter anderem Makrophagen, natürliche Killerzellen und Neutrophile. Außerdem ist es an der Bildung von Antikörpern beteiligt und trägt zum Erhalt einer intakten Schleimhautbarriere bei. Zur Unterstützung der Immunabwehr können Erwachsene 1.000 μg pro Tag zu sich nehmen (z. B. Pure Encapsulations® Vitamin A). Kontraindikationen sind ein Glaukom, eine Steigerung des Hirndrucks, eine schwere Hypertonie oder ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus. [2, 3]
 
Abwehrstarke Spurenelemente
Unter den Spurenelementen leisten vor allem Selen und Zink einen wichtigen Beitrag zur Immunabwehr. Selen ist ein antioxidativ wirkendes Spurenelement. Es unterstützt die Produktion von Antikörpern, die Proliferation von Lymphozyten und die Ausschüttung von Zytokinen. Außerdem reguliert es die zytotoxischen T-Zellen und die Natürlichen Killerzellen. Allerdings kommt es auch bei Selen auf eine optimale Dosierung an, da eine Überdosierung unter anderem mit einem erhöhten Diabetesrisiko in Zusammenhang gebracht wird. Wenn Erwachsene in Intervallen 1- bis 2-mal pro Jahr 50–100 μg Selen zur Stärkung des Immunsystems oder 200 μg bei nachgewiesenem Mangel (z. B. Cefasel®, Selenase®, Pure Encapsulations® Selen) einnehmen, ist eine Überdosierung vornehmlich dann zu befürchten, wenn sie zusätzlich regelmäßig Paranüsse verzehren. In jedem Fall sollten die Blutwerte gelegentlich kontrolliert werden. [2, 3]
Zink ist am Aufbau von über 70 Enzymen beteiligt und wirkt antioxidativ. Es stabilisiert die Schleimhäute als Barriere gegen eindringende Erreger, unterstützt die Differenzierung von T-Zellen, aktiviert die Lymphozyten und wirkt antiviral. Senior:innen, Heranwachsende, Sportler: innen, Vegetarier:innen und Patient:innen mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen neigen zu einem Zinkmangel.
Zur Stärkung eines geschwächten Immunsystems nehmen Erwachsene 10–25 mg Zink pro Tag (z. B. Curazink®, Unizink®, Pure Encapsulations® Zink, Zink Verla® C purKaps). Wenn die Einnahme mit Magen- Darm-Beschwerden einhergeht, sollte sie vor dem Schlafen erfolgen oder ein anderes Präparat mit einer anderen Zinkverbindung gewählt werden. Die im Getreide enthaltenen Phytate und andere Mineralstoffe oder Spurenelemente können die Aufnahme von Zink beeinträchtigen, was ebenfalls für eine Einnahme vor dem Zubettgehen spricht. [1]
 
Omega-3-Fettsäuren auch für die Infektabwehr essentiell
Auch die essentiellen mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren sind für die Infektabwehr unerlässlich. Sie kommen vor allem in Algen, Pflanzen oder Fischen vor. Während Pflanzen wie der Leinsamen (Lini semen) hauptsächlich α-Linolensäure enthalten, liefern Fische und Algen die wertvollen Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA). Sie wirken entzündungshemmend, senken die LDL- und Triglycerid-Werte und beeinflussen unter anderem das Herz-Kreislauf-System positiv. Doch auch im Rahmen der Immunabwehr übernehmen Omega-3-Fettsäuren eine Schlüsselrolle, indem sie eine durch Bakterien ausgelöste Entzündungskaskade aufheben (z. B. Norsan Omega-3 Total, Norsan Omega-3 vegan). Erste Studienergebnisse deuten ferner daraufhin, dass sie im Rahmen der Erregerabwehr die Anfälligkeit für einen Zytokinsturm reduzieren können. Damit können sie das Risiko für schwere Krankheitsverläufe reduzieren, wie beispielsweise eine Pilotstudie mit 100 Covid- 19-Patient:innen ergab. [2, 7]
 
Phytotherapie für ein starkes Immunsystem
Der Klassiker unter den Arzneipflanzen zur Immunstärkung ist der rote Sonnenhut (Echinacea purpurea). Er wirkt immunstimulierend, indem er die Bildung von Leukozyten stimuliert und die Phagozytose aktiviert. Für eine Stoßtherapie werden über einen Zeitraum von 6–8 Wochen 3-mal täglich 20 Tropfen der Tinktur verabreicht (z. B. Echinacin®, Echinacea ratiopharm®, Echinacea Stada®). Eine Alternative ist die Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus), die nicht nur das Immunsystem stärkt, sondern auch adaptogen und leistungssteigernd wirkt (z. B. Eleu Curarina®). Zu den Kontraindikationen dieser Arzneipflanzen gehören neben einer bekannten Unverträglichkeit und einer Daueranwendung, progrediente Systemerkrankungen wie Tuberkulose, Kollagenosen, Multiple Sklerose, HIV-Infektionen oder Autoimmunerkrankungen und die Einnahme von Immunsuppressiva oder Immunmodulatoren. Auch Patient:innen nach Stammzelltransplantation müssen auf diese Arzneipflanzen verzichten. In der Schwangerschaft sollten Auszüge von Echinacea angustifolia und E. pallidae vermieden werden. Ferner müssen im Einzelfall unter Umständen Wechselwirkungen mit Arzneistoffen beachtet werden. [8, 9]
Traditionell wurde auch der Rosenwurz (Rhodiola rosea) als Immunstimulanz eingesetzt. Das antioxidativ wirksame Adaptogen eignet sich für gestresste Menschen mit Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisschwäche sowie Reizbarkeit und Unruhe (z. B. Rhodiologes®). Die Betroffenen nehmen in der Regel 200 mg des aus dem Wurzelstock der Pflanze gewonnenen Trockenextrakts pro Tag. Kontraindikation sind agitierte Zustände, eine bekannte Unverträglichkeit sowie die Einnahme von dopaminerg oder serotonerg wirkenden Arzneistoffen. [8, 9]
Unter den aus Pflanzenknospen gewonnenen Gemmoextrakten eignen sich die Auszüge der Hundsrose (Rosa canina) und der schwarzen Johannisbeere (Ribes nigrum) bei Infektanfälligkeit. Sie können einzeln, im Wechsel oder in Kombination (z. B. Dr. Koll GemmoKomplex Nr. X – Rachenspray) 2-mal täglich in die Wangenschleimhaut gesprüht werden. Damit sind die Gemmomazerate ideal für Menschen, die viel unterwegs sind und daher eine einfache Anwendung zu schätzen wissen. Sie sind auch dann indiziert, wenn sich bereits die ersten Erkältungszeichen zeigen. [10, 11]
 
Erste Hilfe bei beginnenden Infekten
Bei beginnenden Infekten mit Frösteln, Gliederschmerzen und Fließschnupfen können Lindenblüten, Holunder (z. B. Huluna® Hustenpastillen), Thymian (z. B. Thymian Curarina®, Bronchipret® Thymianpastillen) oder die Zistrose als Tee oder Lutschpastillen (z. B. Cistus 052®) zur Linderung der Beschwerden beitragen. Unter den Schüßler Salzen haben sich bei akuten Infekten die Nummer 3 (Ferrum phosphoricum D12) und die Nummer 4 (Kalium chloratum) bewährt, die im Wechsel gelutscht werden.
Quelle: Sabine Ritter, Apothekerin, Heilpraktikerin info@ritter-tcm.deinfo@ritter-tcm.de Literatur bei der Autorin
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