Typ-1-Diabetes | Naturmedizin 4/2019

Das Mikrobiom ist ein Triggerfaktor

Das Mikrobiom ist in aller Munde. Es gibt kaum noch eine Erkrankung, bei der den Darmbakterien nicht eine kausale Bedeutung zugeschrieben wird. Dies gilt auch für den Typ-1-Diabetes.
Der Typ-1-Diabetes ist in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle eine organspezifische Autoimmunerkrankung, bei der Immunzellen, vor allem T-Lymphozyten, die Beta-Zellen des Pankreas angreifen. Nur selten ist die idiopathische Form. Bei der Manifestation spielen neben einer genetischen Prädisposition auch Umweltfaktoren eine wichtige Rolle. Es wurden bereits mehr als 50 Risikogene entdeckt. Aber die genetische Suszeptibilität erklärt nicht allein die weltweit zu beobachtende Zunahme der Inzidenz des Typ-1-Diabetes.
 
Artenvielfalt entscheidend
Bei den exogenen Faktoren ist in den letzten Jahren das Mikrobiom zunehmend in das Interesse der Wissenschaft gerückt. Viele Daten sprechen dafür, dass die Zusammensetzung des Mikrobioms die Manifestation des Typ-1-Diabetes fördern kann. Diese attraktive Hypothese stützt sich in erster Linie auf die Ergebnisse experimenteller und epidemiologischer Studien.
Für die Gesundheit des Menschen ist eine stabile und ausgewogene Artenvielfalt der Darmbakterien unverzichtbar. Bereits in den ersten Monaten nach der Geburt verändert sich die Zusammensetzung der Darmbakterien durch die Ernährung maßgeblich. Andererseits wird durch die Nahrungsbestandteile das Immunsystem geprägt, und dabei spielt das Mikrobiom eine entscheidende Rolle. Veränderungen des Mikrobioms haben somit Auswirkungen auf das Immunsystem und auf die Manifestation immunologisch induzierter Erkrankungen wie des Typ-1-Diabetes. Das Mikrobiom ist bei Menschen, die an einem Typ-1-Diabetes erkranken, aber nicht grundlegend anders als bei Gesunden. Es gibt lediglich geringfügige Veränderungen.
So unterscheidet sich die Interaktion der Darmbakterien bei Kindern, die später eine Autoimmunität und einen Typ-1-Diabetes entwickeln, von denen, die gesund bleiben. Außerdem sind einige Bakterienarten vermehrt, andere vermindert. Reduziert sind vor allem Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren entwickeln und entzündungshemmend wirken.
 
Weichen stellen sich früh
Eine gewisse Bedeutung hat auch das Stillen. Frühzeitiges Abstillen oder Nichtstillen beschleunigt die Veränderung des Mikrobioms, Stillen verlangsamt es eher. Bei Stillkindern finden sich mehr Spezies der Bifidobakterien. Dabei handelt es sich um die wichtigste Gruppe der nützlichen Darmbakterien, die neben der Bekämpfung von Krankheitskeimen und Schadstoffen wichtig für die Entwicklung des Immunsystems sind. So versorgen sie unter anderem die Immunzellen im Darm mit wichtigen Informationen zur Bekämpfung von Erregern.
Schon die Art der Geburt hat Auswirkungen auf die Beschaffenheit des Mikrobioms. Bei Kindern, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, finden sich weniger Bifidobakterien als bei einer vaginalen Entbindung.
Quelle: Zheng P et al., Diabetes Res Rev. 2018;e3043

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