Chronische Prostatitis und Beckenschmerzsyndrom

NATUR+PHARMAZIE 4/2020

Cochrane Review zu pharmakologischen Interventionen inklusive Phytotherapie

Die Prostatis betrifft 10 bis 14 Prozent der Männer in Europa und den USA. Nur 5 bis 10 Prozent der Prostatitisfälle sind bakteriell bedingt. Ziel eines aktuellen Cochrane Reviews war es, pharmakologische Therapien bei chronischer Prostatitis und chronischem Beckenschmerzsyndrom zu bewerten. Auch Studien zur Phytotherapie wurden einbezogen.
Die Untersucher haben 99 Studien an 9.119 Männern mit Chronischer Prostatitis/Beckenschmerzsyndrom eingeschlossen, in denen 16 Arten von pharmakologischen Interventionen untersucht wurden. Die primären Endpunkte waren Prostatitis-Symptome und unerwünschte Ereignisse. Die sekundären Endpunkte waren sexuelle Dysfunktion, Harnbeschwerden, Lebensqualität, Angstzustände und Depressionen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 38 Jahre. Basierend auf Ergebnissen von Evidenz von geringer bis sehr geringer Qualität ergab der Review, dass einige pharmakologische Interventionen wie α-Blocker die Symptome einer Prostatitis verringern können, wobei kleinere unerwünschte Ereignisse wie Schwindel und Hypotonie häufiger auftreten. Andere Interventionen können zu einer Verringerung der Prostatitis-Symptome führen, ohne dass häufig Nebenwirkungen auftreten, während wieder andere als unwirksam eingestuft wurden. Zur Phytotherapie wurden insgesamt sieben Studien mit 551 Teilnehmern gefunden. Die Autoren kommen hier zu dem Ergebnis, dass eine Phytotherapie (Pollenextrakt, Ringelblume und Kurkuma, Quercetin und Cranberry) die Symptome einer Prostatitis im Vergleich zu einer Placebobehandlung verringern kann und möglicherweise nicht mit einem erhöhten Auftreten von Nebenwirkungen verbunden ist. Aber eine Phytotherapie kann die sexuelle Dysfunktion wahrscheinlich nicht verbessern. Es wurden keine Informationen zu den Effekten von phytotherapeutischen Interventionen auf die Lebensqualität oder auf Angstzustände und Depressionen gefunden.
Quelle: Franco JVA et al.: Pharmacological interventions for treating chronic prostatitis/chronic pelvic pain syndrome: a Cochrane systematic review. 2020. BJU Int. 125(4): 490–496. doi:10.1111/bju.14988
ICD-Codes: N41.1
Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

x