COVID-19

Praxis-Depesche 4/2020

Blutmarker sagt Schweregrad voraus

Das Coronavirus (SARS-CoV-2) lässt sich auch außerhalb des respiratorischen Systems nachweisen. Aber nicht bei allen Patienten. Hauptsächlich bei denjenigen mit schwerem Krankheitsverlauf.
Schätzungen zufolge nehmen 15 bis 20 % aller SARS-CoV-2-Infektionen einen schweren Verlauf. Diese Patienten zeigen häufiger erniedrigte Blutspiegel von Leuko- und Lymphozyten, erhöhte Konzentrationen des C-reaktiven Proteins (CRP) sowie eine gesteigerte Zytokin-Expression. Offen blieb bislang, ob sich auch das Replikationsprofil von SARS-CoV-2 sowie dessen Verteilung im Körper mit der Krankheitsschwere verändert. Dieser Frage gingen chinesische Forscher in einer retrospektiven Studie nach. Dazu nahmen sie von 57 Patienten mit COVID-19 Blutproben, bei 28 Patienten wurde ein Analabstrich gemacht. Anschließend wurden die Proben per Real-time- PCR auf die Anwesenheit von SARS-CoV-2-RNA untersucht. Die Patienten wurden entsprechend ihrer Erkrankungsschwere in zwei Gruppen unterteilt. Als „schwer“ galten alle Verläufe, bei denen es zu einem Atemnotssyndrom mit einer Atemfrequenz >= 30/ min kam, die Sauerstoffsättigung in Ruhe unter 94 % fiel und die PaO₂/FiO₂-Rate unter 300 mmHg sank. Bei sechs der 57 getesteten Patienten war der RNA-Nachweis im Blut positiv. In jedem dieser Fälle nahm die Infektion einen schweren Verlauf. Drei der Patienten waren RNA-positiv, bevor die Erkrankung progredient war, bei den übrigen drei erfolgte die Blutabnahme in einem späteren Krankheitsstadium. Unter den restlichen 51 RNA-negativen Patienten kam es bei
 
Möglicherweise vermehrt sich das Virus auch im Darm
 
23,5 % zu einem schweren Krankheitsverlauf. Demnach ergab sich eine statistisch signifikante Korrelation zwischen dem Nachweis viraler RNA im Serum und der Symptomstärke.
Von den 28 Analabstrichen wurden elf positiv auf SARS-CoV-2-RNA getestet, bei acht dieser Patienten (72,7%) kam es zu schweren Symptomen. Auch hier wurden in der Kohorte der negativ getesteten Patienten mit 23,5 % deutlich weniger schwere Verläufe dokumentiert.
Daraus ziehen die Autoren zwei Schlussfolgerungen: Erstens könnte der Nachweis von SARS-CoV-2-RNA außerhalb der Lunge ein Warnzeichen für eine (bald folgende) Krankheitsprogression sein. Zweitens lässt die hohe Viruskonzentration im Analabstrich vermuten, dass sich SARSCoV- 2 nicht ausschließlich im respiratorischen System, sondern auch im Intestinaltrakt repliziert. Möglicherweise tritt das Virus von der Lunge in den Blutkreislauf über, woraufhin es zu einer Reinfektion im Verdauungstrakt kommt. RG
Quelle: Chen W: Detectable 2019-nCoV viral RNA in blood is a strong indicator for the further clinical severity. Emerg Microbes Infect 2020; 9(1): 469-73
ICD-Codes: U07.1
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