Haut und Haare | Naturmedizin 3/2018

Atopisches Ekzem

Quälender Juckreiz, rote, schuppende, nässende Haut – die chronisch rezidivierende Entzündung ist für Betroffene sehr belastend. Erwachsene mit seit Jahren bestehendem atopischem Ekzem haben oft schon viele Behandlungsversuche hinter sich. Naturheilverfahren bieten vielfältige und individuelle Ansätze. Wir stellen einige vor.

Erwachsene mit atopischer Dermatitis haben meist schon viele Therapieversuche hinter sich und stehen häufig unter einem besonders großen Leidensdruck, wenn über Jahre keine Besserung zu verzeichnen ist. Die leitliniengerechten Maßnahmen wirken symptomunterdrückend und sind mit möglichen stärkeren Nebenwirkungen verbunden. Die Naturheilkunde hat für die Neurodermitis auch keine pauschalen Heilungsmethoden parat, aber das Wissen um die Zusammenhänge im Organismus und die individuelle Herangehensweise kann nicht selten zu deutlichen und allgemeinen Besserungen beitragen. Im ganzheitlichen Denken spielen nicht nur rein körperliche Vorgänge eine Rolle, auch die psycho-emotionale und die geistige Ebene werden beachtet. Naturheilkundliche Therapien werden nach individueller Diagnose geplant, deshalb sind folgende Therapieoptionen eine Übersicht ohne Vollständigkeitsanspruch.
 
Pflanzliche Hilfe
 
Bei trockener Haut und trockenen Ekzemen können fettende Externa mit (homöopathischen) Extrakten aus Bittersüßstangel (Solani dulcamarae stipites) eingesetzt werden, ebenso Zubereitungen aus Hamamelisblättern- und Rinde (Hamamelidis folium et cortex) oder der Ballonrebe (Cardiospermum halicacabum).
Die Zaubernuss (Hamamelis virginia) kam erst im Jahr 1736 von Nordamerika nach Europa. Hauptwirkstoffe der Rinde sind Gerbstoffe sowie Gallotannine, dazu kommen kleine Mengen ätherisches Öl und Flavonoide. In vitro belegt sind adstringierende, antiphlogistische, antioxidative und antivirale Wirkungen. Die Blätter enthalten neben Gerbstoffen auch Flavonoide (z. B. Kämpferol, Quercetin) und ätherische Öle.
 
Entgiftungsorgan
 
Die Haut als Entgiftungsorgan muss entlastet werden. Dazu gehört auch eine Meidung von externen Noxen wie Nikotin, Alkohol oder Nahrungsmittelzusätzen – die einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die gesamte Gesundheit, im speziellen auf die Darm- und Hautgesundheit haben. Kuhmilcheiweiß und Hühnerei gelten in vielen naturheilkundlichen Ernährungslehren als Verstärker von Hauterkrankungen. Individuelle Unverträglichkeiten sollten unbedingt getestet werden. Kinesiologie oder Blutanalysen bieten sich hier an.
Über Phytotherapeutika oder Komplexmittel kann der Stoffwechsel angeregt und eine leicht diuretische Wirkung erreicht werden. Löwenzahn (Taraxacum officinale) und Brennnesselkraut (Urticae herba) sind hier die klassischen „Entgifter“.
Bittersüß (Solanum dulcamara, nicht offizinell) und Ackerstiefmütterchen (Viola tricolor) haben leicht antiphlogistische Wirkungen.
Zahlreiche Mittel und Wege der Ausleitung haben sich bewährt. Wichtig ist allerdings, sanft zu starten, um den Organismus nicht zu überfordern. Andernfalls provoziert man eine zu starke Reaktion und riskiert einen akuten Schub.
 
Teerezept zur Anregung des Stoffwechsels
  • Brennnesselkraut (Urticae herb.) aa 25.00
  • Löwenzahnwurzel/-kraut (Taraxaci rad./herb.)
  • Fenchelfrüchte angest. (Foeniculi cont. fruct.)
  • Kamillenblüten (Matricariae flos) aa ad 100.0

D.S. 2 TL auf 1 Tasse kochendes Wasser, 20 Min. ziehen lassen, morgens und abends 1 Tasse. Über vier Wochen, nicht im akuten Stadium.

Mikrobiologie
 
Der Darm als wichtiger Sitz des Immunsystems ist für die naturheilkundliche Therapie der atopischen Dermatitis von besonderem Interesse. Dysbiosen, Leaky-Gut-Syndrom und Entzündungen der Darmschleimhaut stehen hier im Fokus. Über den Zusammenhang von Allergien und Mikrobiota gibt es mittlerweile viele Erkenntnisse. Auch an topischen Anwendungen mit Bakterien wird geforscht. So zeigte eine aktuelle Studie, dass die topische Anwendung eines Sprays mit dem bei Atopikern nachgewiesen seltener vorkommenden Hautbakterium Roseomonas mucosa bei Kindern und Erwachsenen zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden führt. Interessant auch: Parabene, ein häufiges Konservierungsmittel in Hautcremes, hemmen das Wachstum von R. mucosa.
Eine weitere aktuelle Studie, im Fachjournal JAMA Dermatology veröffentlicht, zeigte, dass die Einnahme von Bifidobakterien und Lactobazillen bei Kindern mit atopischem Ekzem signifikant wirksam war. 
 
Eigenbluttherapie
 
Erfahrungsgemäß kann sich eine Eigenbluttherapie äußerst positiv auf atopische Hauterkrankungen auswirken. Beim atopischen Ekzem sind eine sehr vorsichtige Anfangsdosierung und kontinuierliche Fortführung über einen bestimmten Zeitraum entscheidend. Das Therapieschema nach Dr. med. Harald Krebs: Es wird mit 0,1 ml Nativblut als Quaddel gestartet, bis nach täglicher Steigerung 0,5 ml i.c. erreicht sind. Dann erfolgt eine weitere Steigerung in 0,1-ml-Schritten, bis mit jeweils dreitägigem Abstand 1,0 ml erreicht sind; diese Injektionen werden s.c. gegeben. Weiter geht es mit i.-m.-Injektionen alle fünf Tage mit einer Steigerung von jeweils 0,5 ml, bis letztendlich die Dosis von 3,0 ml Nativblut erreicht wird. Danach werden alle zehn Tage 3,0 ml Nativblut i. m. injiziert, bei weiterer Verbesserung des Befundes alle 20 Tage 5,0 ml. Die Intervalle müssen an die individuelle Reaktion des Patienten angepasst werden.
 
Juckreiz und Ekzem
 
Bei nässenden Ekzemen empfehlen sich gerbstoffhaltige Drogen wie die Eichenrinde (Quercus cortex) und der Teestrauch (Camelia sinensis). Bäder mit Haferstroh (Avenae stramentum) wirken adstringierend und antipruriginös. Sie sollten nur vorübergehend einmal täglich für zehn Minuten angewendet werden, da sie austrocknend wirken können. Dies gilt allerdings für Bäder im Allgemeinen, die bei AD besonders austrocknend wirken.
Harnstoffhaltige Cremes und Salben hydratisieren nicht nur, sondern können auch den Juckreiz lindern und verbessern die Barrierefunktion der Haut.
 

 

ICD-Codes: L20.9

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